Alle zu ungehorsam?Pentagon schmeißt Führungsriege von US-Militärzeitung "Stars and Stripes" raus

Ein Streit zwischen dem Pentagon und der US-Militärzeitung "Stars and Stripes" spitzt sich zu. Pentagon-Chef Hegseth will die Berichterstattung von "woken Ablenkungen" wegführen. Nun folgen erste Kündigungen - offenbar wegen zu kritischen Aussagen der Journalisten.
Die auf Militärthemen spezialisierte und staatlich mitfinanzierte US-Zeitung "Stars and Stripes" wirft dem Pentagon vor, ihrer Redaktionsleitung und Nahost-Korrespondentin wegen zu kritischer Berichterstattung gekündigt zu haben. In einem Beitrag auf der Webseite des Blattes heißt es, das Verteidigungsministerium habe entsprechende Schreiben verschickt - als Grund sei fehlender Gehorsam angegeben worden. Eine Stellungnahme des Pentagons liegt nicht vor.
Chefredakteur Erik Slavin betonte in einer Stellungnahme, "Stars and Stripes" müsse redaktionell unabhängig bleiben und könne keine PR für das Verteidigungsministerium machen. Slavin hatte bereits im vergangenen Monat für Aufsehen gesorgt, als er sich gegen redaktionelle Einmischung seitens des Pentagons zur Wehr setzte. Auf die Frage im CBS-Interview, ob es für ihn "rote Linien" gebe, antwortete Slavin: "'Veröffentlichen Sie nicht diesen absolut korrekten Bericht, sondern bringen Sie stattdessen diesen hier. Hier ist er, verfasst vom Pentagon.' Das wäre eine rote Linie".
Gekündigt wurde auch der Reporterin Lara Korte, die von Deutschland aus über den Nahen Osten berichtet, und Herausgeber Max Lederer, der ohnehin zuletzt sein Ausscheiden angekündigt hatte. Korte deutete an, dass ihre unabhängige Berichterstattung und kritischen Aussagen im Sender CBS wohl zur Entlassung geführt hätten. "Das Verteidigungsministerium feuert mich wegen Ungehorsams, nachdem ich einem CBS-Reporter gesagt habe, dass ich für 'Stars and Stripes' arbeite - nicht für das Pentagon, nicht für irgendeine Regierung und nicht für irgendwelche Politiker", schrieb sie auf X.
Die Kündigungen erfolgten nur wenige Tage, nachdem die Zeitung über die prekären Bedingungen für die Besatzungsmitglieder an Bord des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln" berichtet hatte. Der monatelange Einsatz des Schiffes in der Nahost-Krisenregion und Berichte über unhaltbare Zustände an Bord hatten für Kritik in den USA gesorgt. Der in "Stars and Stripes" veröffentlichte Text löste erneut Kritik am Kurs von Präsident Donald Trump im Krieg gegen den Iran aus.
Lederer kündigte bereits Rücktritt an
Die unter anderem über Auslandseinsätze der US-Armee berichtende und gewöhnlich sehr gut informierte Zeitung richtet sich in erster Linie an Militärangehörige und wird über den Haushalt des Verteidigungsministeriums mitfinanziert. Sie erreicht nach eigenen Angaben zusammengenommen mit ihren digitalen Kanälen bis zu 1,4 Millionen Menschen. Seine europäische Redaktionszentrale hat "Stars and Stripes" in Kaiserslautern, unweit des riesigen Luftwaffenstützpunkts Ramstein mit der größten US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten.
Vor Tagen hatte "Stars and Stripes" bekanntgegeben, dass der langjährige Herausgeber Lederer in den Ruhestand gehen werde. Er habe sich dazu entschlossen, weil sich seine Führungsphilosophie in grundlegender Hinsicht von den Plänen unterscheide, die das Pentagon für das Blatt habe, hieß es. Nun wurde er abgesetzt.
Kurz vor Lederers Rücktrittsankündigung wurde der aktive Marinekapitän William Urban als militärischer Vize-Herausgeber installiert - ein Schritt, den viele, darunter auch demokratische Kongressmitglieder, als Aushöhlung der Unabhängigkeit der Publikation werteten.
Trump und die Pressefreiheit
Das von dem Republikaner Pete Hegseth geführte Ministerium hatte in diesem Jahr mitgeteilt, es wolle die Berichterstattung von "Stars and Stripes" von "woken Ablenkungen" wegführen. Das Attribut "woke" wird in rechtsgerichteten Kreisen als Synonym für aus ihrer Sicht intolerante und extreme gesellschaftspolitische Haltungen linker Kräfte verwendet.
Der Fall befeuert die Debatte darüber, wie die Regierung von Präsident Donald Trump mit der Pressefreiheit in den USA umgeht und kritische Berichterstattung zu diskreditieren oder ganz zu verhindern versucht. So führte das Pentagon im vergangenen Jahr neue Richtlinien für Journalistinnen und Journalisten ein. Diese sehen vor, dass Medienvertreter ohne Genehmigung der Regierung keine Informationen mehr über das Verteidigungsministerium veröffentlichen dürfen - andernfalls drohte der Entzug ihrer Akkreditierung.
Wer den verschärften Regeln nicht zustimmte, musste seinen Hausausweis für das Pentagon abgeben und den Arbeitsplatz dort räumen. Nahezu alle großen US-Medienhäuser weigerten sich jedoch, den 21-seitigen Regelkatalog zu unterzeichnen. Der Fall beschäftigte danach die Gerichte.