Politik

SPD sonnt sich im Landeserfolg Plötzlich wieder Sieger

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Große Freude in der SPD-Spitze.

(Foto: imago/Emmanuele Contini)

Vor drei Wochen steht Martin Schulz im Willy-Brandt-Haus und deutet die Wahlniederlage als beginnende Erfolgsstory. Heute steht er an selber Stelle und kann tatsächlich einen Wahlsieg kommentieren.

Ein Sieg der SPD, so hieß es vor der Landtagswahl in Niedersachsen, könne dem angeschlagenen Bundeschef der Partei höchstens etwas Zeit verschaffen - bevor er ersetzt werden würde. Wer Martin Schulz an diesem Abend im Willy-Brand-Haus reden hört, bekommt eine völlig andere Lesart präsentiert. Breit grinsend steht da ein Teil der Parteiführung auf demselben Podium, von dem aus Schulz vor gerade einmal drei Wochen das niederschmetternde Bundestagswahlergebnis kommentieren musste.

Umrahmt von Noch-Bundesfamilienministerin Katharina Barley, Fraktionschefin Andrea Nahles, Vize-Chef Ralf Stegner und Generalsekretär Hubertus Heil nennt Martin Schulz das Ergebnis in Niedersachsen einen ganz klaren Wahlsieg. "Stephan, was Du in den letzten Wochen geleistet hast, ist einzigartig in der Geschichte der Bundesrepublik", sagt Schulz aus Berlin an den amtierenden Ministerpräsidenten in Hannover gerichtet. An die Niederlage von neulich erinnert Schulz lachend mit dem Hinweis, es gebe "in der Politik unterschiedliche Tage und unterschiedliche Atmosphären". Ralf Stegner lacht noch lauter auf.

Schon vor drei Wochen fiel auf, dass Martin Schulz rhetorisch in der Lage war, die 20,5-Prozent-Niederlage in eine beginnende Erfolgsgeschichte umzudeuten. Groß war also die Verlockung, für die Bundes-SPD eine Scheibe Niedersachsen abzuschneiden. Die Partei habe der Landes-SPD in Hannover mit ihrer Geschlossenheit versucht Rückenwind zu geben und jetzt werde sich die Partei mit dem Rückenwind aus Niedersachsen daran machen, "all die Herausforderungen anzupacken", sagte er.

Niedersachsen wurde durch Typen und Landesthemen entschieden

Mit einem Mal ist Schulz wieder der unangefochtene Parteichef, könnte man meinen. Dabei gehen Wahlforscher davon aus, dass die SPD in Niedersachsen vor allem wegen ihres Spitzenkandidaten Stephan Weil punkten konnte. Dessen Ansehen und Landesthemen waren laut Forschungsgruppe Wahlen ausschlaggebend für den Erfolg. Sein Imagewert auf einer Skala zwischen 5 und -5 lag demnach bei 2. Bernd Althusmann von der CDU kam nur auf 0,8. Der Niedersachsen-Wahlkampf lief außerdem weitgehend ohne Einmischung aus der Bundeszentrale ab.

SPD Vizechef Ralf Stegner gibt kurz nach den ersten Hochrechnungen dennoch schon einmal die Lesart vor. "Das ist ein fulminanter Wahlsieg von Ministerpräsident Stephan Weil, und das Ergebnis bestätigt auch den Kurs von Parteichef Martin Schulz", sagt er. "Sämtliche Jamaika-Parteien, also CDU, FDP und Grüne haben verloren, die müssen sich jetzt warm anziehen - wir werden sie herausfordern", droht der Parteivize aus Schleswig-Holstein. Es habe sich gelohnt, klar die Unterschiede zwischen CDU und SPD herauszustreichen, statt einen Kuschelkurs zu fahren. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sieht in dem Ergebnis sogar die Ehrenrettung ihrer Partei durch Stephan Weil. Und natürlich sei "das auch für die Bundes-SPD ein sehr erfreuliches Ergebnis", so Schwesig.

Schafft es die SPD, ihren Optimismus beizubehalten, könnten sich die Durchhalteparolen durchaus bezahlt machen. Die Union zeigte sich zerknirscht. Konservative Politiker aus CDU und CSU nutzten den Wahlabend sogar, um den Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel zu fordern. Die CDU macht mit dem Ergebnis im Moment also genau das Gegenteil: Von Geschlossenheit ist wenig zu spüren. Das könnte dem vielzitierten "Schulzzug" vielleicht wieder ein wenig Dampf im Kessel machen.

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Quelle: n-tv.de

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