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Falschmeldung zu Silversternacht Polizei ermittelt wegen erfundenen Sexmobs

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Die Polizei war auch in Frankfurt mit einem massiven Aufgebot Silvester vor Ort. Doch in der Stadt blieb es relativ friedlich.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Über massenhafte Sex-Übergriffe, Diebstähle und Gewalttaten durch Flüchtlinge in Frankfurt berichtet die "Bild" nach der Silvesternacht. Die Polizei ermittelt und stellt fest: Die Zeugen haben ihre Aussagen wohl erfunden. Nun müssen sie mit Strafen rechnen.

In einer ausführlichen Mitteilung hat die Polizei in Frankfurt am Main einen Pressebericht über massive Übergriffe und Diebstähle in der Silvesternacht zerpflückt. Zum Jahreswechsel habe es in der Kalbächer Gasse - der sogenannten Freßgass - in der Frankfurter Innenstadt, "keine massiven mobartigen Übergriffe durch Massen an Flüchtlingen" gegeben, erklärten die Beamten. Demnach ergaben "intensive und umfangreiche Ermittlungen", dass "die in den Raum gestellten Vorwürfe" haltlos und ohne jede Grundlage seien.

In einem Artikel der "Bild"-Zeitung hatten sich eine angebliche Betroffene und mehrere angebliche Zeugen zu Wort gemeldet und über "sexuelle Übergriffe, Körperverletzungen, Diebstähle sowie äußerst aggressives Verhalten von Massen an Flüchtlingen" berichtet. Daraufhin habe die Polizei "umgehend von Amts wegen" Ermittlungen eingeleitet und diese "mit hoher Intensität" betrieben.

"Die Überprüfungen sämtlicher Notrufe und Einsatzprotokolle der Nacht ergaben keine Hinweise auf die im Raum stehenden Straftaten und den angeblichen Mob in der Silvesternacht in der Freßgass", erklärte die Polizei nun. Zudem seien bis zuletzt keine weiteren Straftaten angezeigt worden.

"Die Vernehmungen der genannten Zeugen, Gäste und Mitarbeiter ergaben erhebliche Zweifel an den dargestellten Schilderungen", hieß es weiter. "Eine von den Handlungen angeblich betroffene Person" sei "zum Tatzeitpunkt nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gar nicht in der Stadt" gewesen.

"Bild" entschuldigt sich

Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse drehten die Ermittler den Spieß nun um. "Die Vorwürfe sind so haltlos, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt nunmehr wegen der sich ergebenden Verdachtslage ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet hat", erklärte die Polizei. Die Ermittlungen richten sich gegen einen Wirt und eine Frau. Die beiden hatten Anfang Februar in der "Bild" von Randale zahlreicher arabisch oder nordafrikanisch aussehender Männer auf der Restaurantmeile berichtet. Die Frau hatte erklärt, sie sei selbst Opfer sexueller Übergriffe in der Silvesternacht geworden.

Tatsächlich gab es bis Anfang Februar nur zwei Anzeigen wegen Körperverletzung in der Silvesternacht in der Restaurantmeile: Gegen einen Deutschen und einen Osteuropäer. Laut Polizei wird inzwischen auch geprüft, ob durch die Ermittlungen entstandene Polizeikosten geltend gemacht werden können.

Die "Bild" hat sich inzwischen für den falschen Bericht entschuldigt. "Die Berichterstattung entspricht in keiner Weise den journalistischen Standards von Bild", schrieb die Redaktion. Man werde intern klären, wie es dazu kommen konnte.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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