Politik

"Nr. 1 des IS in Deutschland" Polizei fasst "Prediger ohne Gesicht"

Zugriff im Morgengrauen: Bei Anti-Terror-Razzien verhaften Spezialeinsatzkräfte der Polizei in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mehrere islamistische Prediger. Der Generalbundesanwalt wirft ihnen vor, Freiwillige für die Terrormiliz Islamischer Staat angeworben zu haben.

Anti-Terror-Ermittlern ist ein Schlag gegen die islamistische Szene in Deutschland gelungen: Am frühen Morgen ließ die Bundesanwaltschaft eigenen Angaben zufolge fünf Männer verhaften. Die Behörde bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Die Männer stehen demnach unter dringendem Verdacht die "ausländische terroristische Vereinigung 'Islamischer Staat' (IS)" unterstützt zu haben. "Die fünf Beschuldigten bildeten ein überregionales salafistisch-jihadistisches Netzwerk", heißt es in einer Mitteilung des Generalbundesanwalts. Innerhalb dieses Netzwerks habe der Beschuldigte Ahmad Abdulaziz Abdullah A. "die zentrale Führungsposition übernommen".

"Ahmad Abdulaziz Abdullah A., der sich auch 'Abu Walaa' nennt, bekennt sich offen zum sogenannten 'Islamischen Staat' und ist in der Vergangenheit bei zahlreichen salafistischen Veranstaltungen als Redner aufgetreten", heißt es in der Mitteilung weiter. "Ziel des von ihm angeführten Netzwerks war es, Personen an den 'IS' nach Syrien zu vermitteln."

Bundesjustizminister Heiko Maas bezeichnete die Festnahmen als Erfolg für die Ermittlungsbehörden. "Das ist ein wichtiger Schlag gegen die extremistische Szene in Deutschland. Der Generalbundesanwalt ermittelt, weil der Verdacht besteht, dass es Verbindungen zum Islamischen Staat gibt", sagte Maas. Die Festnahmen würden zeigen, dass Ermittlungsbehörden wachsam seien und "sehr konsequent gegen Terrorverdächtige" vorgehen.

32-jähriger Iraker im Zentrum

Der Kreis der Verdächtigen offenbart multinationale Bezüge des mutmaßlichen Terrornetzwerks: Zeitgleich mit Abu Walaa nahmen die Ermittler den 50-jährigen türkischen Staatsangehörigen Hasan C., den 36-jährigen deutschen und serbischen Staatsangehörigen Boban S., den 27-jährigen deutschen Staatsangehörigen Mahmoud O. und den 26-jährigen kamerunischen Staatsangehörigen Ahmed F. Y. fest. Die fünf Männer sollen spätestens am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Bei dem Hauptverdächtigen Abu Walaa soll es sich Medienberichten zufolge um die "Nr. 1 des IS in Deutschland" handeln. Wie "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR gestützt auf ihre gemeinsame Recherchen schreiben, sollen die Männer vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den IS angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben.

"Zentrale Figur der deutschen Islamisten"

Den Verhaftungen seien monatelange Ermittlungen vorausgegangen, heißt es. Abu Walaa, der sogenannte "Prediger ohne Gesicht" sei dabei ganz oben auf den Fahndungslisten der Behörden gestanden. Die Ermittler hätten Abu Walaa alias Ahmad Abdelazziz A. "bereits seit Jahren" gesucht. Er gilt "als zentrale Figur der deutschen Islamisten". Fotos von dem "Prediger ohne Gesicht" gibt es so gut wie nicht. Für seine Propagandavideos habe sich der gebürtige Iraker stets von hinten filmen lassen, so dass sein Gesicht nicht erkennbar war.

"Das ist der Schlimmste", zitierten Medienberichte den Hauptbelastungszeugen. Seit dem Herbst vergangenen Jahres ermittle die Bundesanwaltschaft gegen "Abu Walaa" und seine mutmaßlichen Helfer. Erst im August sei es in diesem Zusammenhang zu Durchsuchungen gekommen, heißt es. Unter den durchsuchten Objekten sei eine Moschee in der Hildesheimer Nordstadt gewesen, die als bundesweit bedeutender Treffpunkt der salafistischen Szene gilt. Sicherheitsbehörden hätten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Hildesheimer Moschee zu Ausreisen in Richtung Syrien gekommen war.

"Das ist der Schlimmste"

Im Ruhrgebiet nahm die Polizei nach den Medien-Angaben zudem zwei weitere Prediger fest, die ebenfalls Teil des salafistischen Netzwerks um den Iraker sein sollen. Die Männer sollen bei Predigten in Wohnungen für den IS geworben und zur Ausreise in den Dschihad aufgerufen haben. Auch ihnen wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zur Last gelegt.

Wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" weiter erfuhren, hatten die Aussagen eines IS-Rückkehrers maßgeblichen Anteil an den aktuellen Festnahmen. Der 22-Jährige war nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen und hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrormiliz losgesagt. Bevor er Ende September nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe der Mann NDR, WDR und "SZ" in der Türkei ein Interview gegeben, in dem er den Iraker "Abu Walaa" schwer belastet. Die Beschuldigten hätten - soweit sie sich in der Vergangenheit dazu geäußert hätten - eine Verbindung zum Terrorismus verneint.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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