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Terror made in Chemnitz Polizei nimmt weiteren Neonazi fest

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Einer der Verdächtigen wird von Polizisten zum Bundesgerichtshof gebracht.

(Foto: dpa)

Bei mehreren Razzien nimmt die Polizei am Morgen sechs Männer fest, die der rechtsextremen Gruppe "Revolution Chemnitz" angehören sollen. Neben Ausländern und Politikern hatten sie offenbar auch Journalisten im Visier. Nun wird ein weiterer Verdächtiger gefasst.

Die Bundesanwaltschaft hat in Sachsen einen weiteren Mann wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung festnehmen lassen. Auch ihm wird die Mitgliedschaft in der Gruppe "Revolution Chemnitz" vorgeworfen. Es handele sich um einen Mann namens Maximilian V., sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Zum Alter konnte sie zunächst nichts sagen.

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Zuvor waren in Sachsen und Bayern bereits sechs Deutsche festgenommen worden, die den Angaben zufolge unter anderem dringend verdächtig sind, gemeinsam mit dem 31-jährigen Christian K. die Vereinigung "Revolution Chemnitz" gegründet zu haben. Christian K. war bereits am 14. September wegen besonders schweren Landfriedensbruchs festgenommen worden. Die rechtsextreme Gruppe "Revolution Chemnitz" hat laut einem Medienbericht mehr Terror verbreiten wollen als der Nationalsozialistische Untergrund (NSU).

Auf das Konto des NSU gehen zehn Morde - neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin wurden zu Opfern der rechtsextremistischen Gruppe. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, plante die Gruppe auch gewaltsame Angriffe auf Journalisten. Namen seien aber wohl nicht bekannt. Die Generalbundesanwaltschaft hatte berichtet, geplant seien "bewaffnete Anschläge auf Ausländer und politisch Andersdenkende", dazu zählten sie den Angaben zufolge "Vertreter des politischen Parteienspektrums und Angehörige des gesellschaftlichen Establishments".

Anschlagspläne für 3. Oktober

Der mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe, der 31-jährige Christian K., sitzt seit einem Angriff auf Ausländer in Chemnitz am 14. September in Untersuchungshaft. Neben ihm ist gegen einen weiteren Mann aus Sachsen, Thomas W., Untersuchungshaft angeordnet worden, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler. Vier weitere Verdächtige sollen am morgigen Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Dass die Extremisten am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zur Tat schreiten wollten, geht nach Informationen der Zeitung aus der abgehörten internen Kommunikation der Gruppe hervor. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen wurden demnach Schlagstöcke, aber keine Schusswaffen gefunden.

Einer der Verdächtigen, der 30 Jahre alte Tom W., gehörte den Angaben nach zu den fünf Rädelsführern der 2007 verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34". Sie waren wegen schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu Bewährungsstrafen von sechs Monaten bis zwei Jahren verurteilt worden.

Barley: "Müssen wachsamer sein"

Aus Sicht von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zeigt der Fall, dass "entschlossen und mit aller Härte" gegen diejenigen vorgegangen werde, die sich nicht an die Rechtsordnung halten. "Wir dulden keinen Rassismus, keinen Rechtsextremismus, keinen Terrorismus", schrieb Kretschmer im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Bundesjustizministerin Katarina Barley warnte auf Twitter, von rechtem Terror gehe "reale und große Gefahr aus, die wir sehr ernst nehmen". Zugleich erinnerte Barley an die NSU-Mordserie. "Aus den Verbrechen des NSU haben wir gelernt, dass wir sehr viel wachsamer sein müssen als früher", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Das gilt für die Sicherheitsbehörden und die Justiz, aber auch für uns als gesamte Gesellschaft."

Die Linke forderte eine härte Gangart gegen Rechtsextreme. Dass eine mutmaßlich neue Terrorzelle in Chemnitz entstanden sei, zeige, "welche Ausmaße die rassistische Radikalisierung vor Ort angenommen hat", erklärte die Linkenabgeordnete im sächsischen Landtag, Kerstin Köditz.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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