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Razzien in islamistischer Szene Polizei sucht mutmaßliche IS-Unterstützer

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Polizisten bei einer der Razzien in Berlin.

(Foto: picture alliance / Paul Zinken/d)

Bei Razzien in Berlin und Sachsen-Anhalt vollstrecken 130 Beamte neun Durchsuchungsbefehle. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf drei mutmaßliche IS-Sympathisanten, auch die Wohnung eines Kontakts von Anis Amri wird durchsucht.

Erneut hat es in Deutschland Razzien in der islamistischen Szene gegeben. Polizisten durchsuchten in Berlin und Sachsen-Anhalt mehrere Gebäude wegen mutmaßlicher Reisebewegungen in Gebiete der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in den Nahen Osten. Bei der Großrazzia in Berlin und Sachsen-Anhalt vollstreckten rund 130 Beamte neun Durchsuchungsbeschlüsse, wie Polizei und Generalstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt erklärten. Auch Spezialkräfte waren dabei im Einsatz. Sie beschlagnahmten demnach Beweismittel, insbesondere digitale Speichermedien.

Die Ermittlungen richten sich gegen drei Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren, die im November vergangenen Jahres von Berlin über die türkische Metropole Istanbul in die vom IS kontrollierten Gebiete im Bürgerkriegsland Syrien gefahren sein sollen. Den Strafverfolgungsbehörden zufolge hält sich das Trio vermutlich nach wie vor dort auf. Einer von ihnen soll eine militärische Ausbildung erhalten haben. Gegen sie wird wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Im Visier steht zudem ein vierter Beschuldigter. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen, weil er die anderen zum Flughafen fuhr.

Auch Wohnung von Amri-Kontakt durchsucht

Mindestens einer der Männer, deren Berliner Wohnungen von der Polizei durchsucht wurden, hatte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland zufolge am Tag des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr Kontakt zum Attentäter Anis Amri. Das gehe aus Ermittlungsakten der Generalbundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes hervor.

Demnach ging der Verdächtige Walid S. am Nachmittag des 19. Dezember 2016 eine halbe Stunde lang mit Amri im Stadtteil Wedding spazieren. Im Anschluss suchten sie gemeinsam mit einem weiteren tunesischen Landsmann die Masjid-Al-Ummah-Moschee, einen Imbiss sowie für eine Viertelstunde auch den Alexanderplatz auf, letzteres nur rund drei Stunden vor dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz. Walid S. sei zudem anderthalb Stunden nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz gesehen worden.

Bei dem Anschlag hatte der Tunesier Amri einen Laster über den Weihnachtsmarkt gesteuert. Zwölf Menschen starben, etwa 70 weitere wurden verletzt. Es war der bislang schwerste islamistisch motivierte Anschlag in Deutschland. Den Lastwagen hatte Amri zuvor entführt, wobei er dessen Fahrer ermordete.

Quelle: n-tv.de, fhe/AFP

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