Politik

Mordanklage gegen weißen US-Cop Polizist schießt Schwarzem in den Rücken

Ein Mann rennt vor einem Polizisten weg - und wird mit Schüssen in den Rücken niedergestreckt. Das Handyvideo erschüttert die USA. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ein weißer Polizist auf einen unbewaffneten Schwarzen schießt.

Im US-Bundesstaat South Carolina ist ein Polizist angeklagt worden, weil er nach einem Streit bei einer Verkehrskontrolle einen fliehenden unbewaffneten Schwarzen erschossen haben soll. Der Vorwurf lautet: Mord auf offener Straße. Wie aus den Gerichtsdokumenten hervorgeht, wird dem 33-jährigen weißen Beamten vorgeworfen, dem 50-Jährigen "nach einem Streit mehrmals in den Rücken geschossen" zu haben. Beweismittel dafür seien ein von einem Augenzeugen des Vorfalls gedrehtes Video sowie Ermittlungen der Bundesstaatsbehörden.

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Der Mann hatte keine Chance. Er starb an Ort und Stelle.

(Foto: Reuters)

Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Samstag in der Stadt North Charleston. Die Videoaufnahmen wurden anschließend zuerst von der "New York Times" veröffentlicht, nachdem der Anwalt der Familie des Getöteten diese der Zeitung zur Verfügung gestellt hatte. Darauf ist zu sehen, wie der Polizist und der Schwarze offenbar eine Auseinandersetzung haben. Anschließend zieht der Beamte seine Waffe und feuert insgesamt acht Mal auf den weglaufenden Mann. Der vierfache Familienvater wird dabei von fünf Kugeln getroffen, vier davon im Rücken. Dann eilt der Polizist zu dem am Boden Liegenden und legt ihm Handschellen an. Der Schwarze starb wenig später an Ort und Stelle.

Video entlarvt Falschaussage

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Im Falle einer Verurteilung muss der Polizist Michael Thomas Slager mit der Todesstrafe rechnen.

(Foto: dpa)

Medienberichten zufolge war der Mann angehalten worden, weil eines seiner Rücklichter nicht funktionierte. Die Familie des Opfers äußerte sich nach der Festnahme des Polizisten auf einer Pressekonferenz und lobte den "Helden", der das Video angefertigt hatte. "Wenn es kein Video gäbe, würden wir dann je die Wahrheit erfahren?", sagte der Bruder des Toten dem TV-Sender MSNBC. "Aber nun kennen wir die Wahrheit."

Die Bundespolizei FBI hat Ermittlungen eingeleitet und arbeitet mit den örtlichen Behörden zusammen. In einer ersten Stellungnahme sagte der Beschuldigte laut US-Medien, er habe in Notwehr gehandelt, weil er um sein Leben habe fürchten müssen. Der Mann habe ihm seine Elektroschock-Waffe entrissen. Das Video zeigt indessen, dass der Beamte anschließend seine Elektroschock-Waffe neben den Toten legte.

Der Bürgermeister von North Charleston sagte, der Polizist habe eine falsche Entscheidung getroffen. "Wenn man falsch liegt, liegt man falsch", sagte Keith Summey auf einer Pressekonferenz. Die Gouverneurin des Bundesstaats, Nikki Haley, erklärte, die Schüsse seien nicht hinnehmbar.

Ein Experte in Sachen Polizeigewalt nannte die Szene auf dem Video ungeheuerlich. "Der Mensch flüchtet. Er hat keine Waffe. Und er hat sich nicht umgedreht", sagte Samuel Walker, emeritierter Professor der Universität Nebraska der Zeitung "Post and Courier". Für die Schüsse des Polizisten auf den Flüchtenden gebe es keine Rechtfertigung. Dem Schützen droht bei einer Verurteilung wegen Mordes die Todesstrafe.

Haft wegen Unterhaltszahlungen

Laut "Post and Courier" war der 50-jährige Schwarze rund zehnmal inhaftiert, zumeist wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen für seine Kinder. Sein Bruder sagte dem Blatt, er sei vermutlich geflüchtet, weil er nicht wieder wegen versäumter Zahlungen festgenommen werden wollte.

Der Vorfall könnte die angespannte Lage in den USA vor dem Hintergrund mehrerer tödlicher Polizeischüsse auf Schwarze nun noch verschärfen. Bürger der Stadt riefen bereits zu einem Protestmarsch vor dem Rathaus auf.

Zuletzt hatten in den USA mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze Empörung ausgelöst. In Ferguson (Missouri) war es zu tagelangen Unruhen gekommen, nachdem im vergangenen August ein Beamter den unbewaffneten afroamerikanischen Teenager Michel Brown erschossen hatte.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP

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