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Russische Jets gegen den IS? Putin deutet Syrien-Engagement an

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"Darüber zu sprechen, ist verfrüht": Wladimir Putin bei seiner Rede in Wladiwostok.

(Foto: dpa)

Fliegen russische Jagdbomber bereits Angriffe in Syrien? Im Netz kursieren Aufnahmen, auf denen angeblich hochmoderne Maschinen aus russischen Beständen zu sehen sind. Washington reagiert kurz angebunden. "Es ist an den Russen, genau zu erklären, was sie tun."

Kremlchef Wladimir Putin hat Spekulationen über eine Beteiligung russischer Soldaten am Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien als voreilig zurückgewiesen. "Darüber zu sprechen, ist verfrüht", sagte der russische Präsident. Putin hält sich nach seinem Staatsbesuch in Peking derzeit bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok an der Pazifikküste auf.

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Über Syrien gegen den IS im Einsatz? Der Jagdbomber Suchoi Su-34 zählt zu den modernsten Angriffsflugzeugen der russischen Luftwaffe (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Russland prüfe verschiedene Möglichkeiten, sagte Putin weiter. Doch der Einsatz von Soldaten stehe noch nicht auf der Tagesordnung, betonte er. Putin hält sich die Syrien-Option mit dieser Formulierung allerdings noch offen. Moskauer Stellen hatten zuvor Medienberichte dementiert, wonach Russland bereit sei, Militärflugzeuge zur Bekämpfung des IS nach Syrien zu schicken.

Der syrische Bürgerkrieg und das Vordringen fanatischer IS-Milizen gelten als einer Hauptfaktoren für den jüngsten Flüchtlingsansturm in Europa. Die fanatischen Anhänger einer radikalen Auslegung des sunnitisch geprägten Islams haben in großen Teilen Syriens und des Iraks ein Kalifat ausgerufen. Unter der Führung der USA fliegt eine multinationale Allianz seit Monaten intensive Luftangriffe gegen IS-Stellungen. Die Schläge aus der Distanz zeigen bislang nur wenig Erfolg: Der IS kontrolliert nach wie vor weite Landstriche in Syrien und dem Nordirak.

Kremlchef bewertet US-Strategie

Putin kritisierte das Vorgehen der Anti-IS-Allianz in Nahost. "Die Effektivität dieser Luftangriffe ist gering", meinte er der Agentur Interfax zufolge. Stattdessen warb er in einer Rede in Russlands größter Hafenstadt am Pazifik für seinen Vorschlag einer internationalen Anti-Terror-Koalition, an der sich auch die syrische Armee beteiligen soll.

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Russland gilt als enger Partner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Putin verwies darauf, dass Moskau Damaskus im Bürgerkrieg mit Waffen und der Ausbildung von Soldaten unterstütze. Washington und der Westen gingen bereits zu Beginn des Bürgerkriegs auf Distanz zum Assad-Regime.

Die Berichte, denenzufolge Russland sich aktiv und mit militärischen Mitteln im Bürgerkriegsland Syrien engagiert, beschäftigen längst auch die US-Regierung. "Wir sind auf dem Laufenden über Berichte, dass Russland militärisches Personal und Fluggerät in Syrien eingesetzt haben könnte, und wir verfolgen diese Berichte ziemlich genau", bestätigte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest.

Er ließ dabei offen, ob die USA über eigene Erkenntnisse aus militärischen oder geheimdienstlichen Quellen verfügt. Ausgangspunkt der Spekulationen waren Meldungen israelischer Medien, die sich bei ihren Angaben über ein angebliches russisches Engagement in Syrien auf "westliche Geheimdienstquellen" berufen hatten. Konkrete Belege für diese Gerüchte lagen zunächst nicht vor - weder in Israel, noch im Westen.

Verdächtige Sichtung über Idlib

Zumindest offiziell verfügt auch Washington über keinerlei vorzeigbare Beweise für russische Militäraktivitäten in Syrien. Der Tonfall ist allerdings unmissverständlich: Jegliche militärische Unterstützung des syrischen Machthabers Assad "zu irgendeinem Zweck, ob es in Form von militärischem Personal, Fluggerät, Lieferungen, Waffen oder Finanzierung ist, ist sowohl destabilisierend als auch kontraproduktiv", warnte Obamas Sprecher Earnest.

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Earnest reagierte damit auf die Veröffentlichung von Bildern in sozialen Netzwerken, die syrischen Kämpfern zugeschrieben werden. Die Fotos sollen russische Flugzeuge und Drohnen in der Nähe der nordwestsyrischen Provinz Idlib zeigen. Die Region liegt in strategisch bedeutsamer Lage zwischen der nordwestsyrischen Metropole Aleppo und der Hafenstadt Latakia.

Unbestätigten Berichten zufolge ist auf Aufnahmen unter anderem ein moderner Kampfjet vom Typ Suchoi 34 zu sehen. Dabei handelt es sich um einen zweisitzigen, überschallschnellen Jagdbomber aus russischer Produktion. Bislang war nicht bekannt, dass Syrien über solche Kampfflugzeuge verfügt. Gerüchten zufolge könnte Russland neben den modernen Angriffsflugzeugen auch Luftüberlegenheitsjäger vom Typ Mig-29 und Su-27 an das Regime in Damaskus liefern.

Hier gibt es Ungereimtheiten: Unklar ist, wozu das Assad-Regime Abfangjäger benötigen sollte, die wie Mig-29 oder Su-27 für die Abwehr von ebenbürtigen Jagdflugzeugen ausgelegt sind. Im Kampf gegen den IS wären die teuren Spezial-Kampfjets nahezu nutzlos. Die Islamisten verfügen über keinerlei Luftstreitkräfte.

Abfangjäger und Aufklärungsdrohnen?

Bei der auf den Aufnahmen erkennbaren Drohne handelt es sich diesen Angaben zufolge offenbar um eine Jakowlew Ptschela-1T zur taktischen Luftaufklärung. Solche Waffensysteme könnten den regimetreuen Truppen sehr viel mehr praktischen Nutzen bringen. Die Reichweite des unbemannten Fluggeräts soll bei 60 Kilometer liegen. Damit könnte Damaskus Stellungen von IS-Kämpfern auskundschaften, aber auch Positionen von Regimegegnern aufklären. Ein US-Regierungsvertreter sagte, Russland habe "um Genehmigungen für Militärflüge in Syrien" gebeten, es sei aber unbekannt, welche Ziele Moskau damit verfolge.

Im Netz kursieren in diesem Zusammenhang auch Berichte über mehrere Flüge einer russischen Transportmaschinen vom Typ Il-76 mit dem Code-Namen "Manny6", deren Radarsignale in den vergangenen Monaten mehrfach im Luftraum über dem zentralen Hinterland Syriens aufgetaucht seien. Spekuliert wird, ob die fraglichen Flüge mit etwaigen Vorbereitungen auf die Landung eines russischen Expeditionskorps hindeuten.

In der Anti-IS-Allianz willkommen

Denkbar wären auch einfache Versorgungsflüge zur Lieferung von Waffen und Munition an das Assad-Regime. Es gebe allerdings Hinweise, heißt es, die nahelegen, dass Russland Stellungen des IS in Syrien ins Visier genommen habe. Die Dschihadisten kämpfen sowohl gegen gemäßigte Rebellengruppierungen als auch gegen regimetreue Truppen der syrischen Armee.

"Es ist an den Russen, genau zu erklären, was sie tun", erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Peter Cook, ohne näher auf die Gerüchte einzugehen. Russland gehört zu den letzten Unterstützern von Assad.

Die USA und ihre Partner fordern seit langem Assads Ablösung. Eine Beteiligung Russlands an der multinationalen Anti-IS-Allianz würde das Weiße Haus nach eigener Aussage begrüßen.

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Quelle: n-tv.de, mit AFP und dpa

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