Politik

Eine Woche nach dem Mord an Nemzow Putin ehrt Verdächtigen im Fall Litwinenko

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Lugowoi (r.) mit seinem Bodyguard in Moskau.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vor neun Jahren wurde der russische Ex-Agent und Kremlgegner Litwinenko in London vergiftet. Seitdem wird vermutet, dass Moskau die Finger mit im Spiel hatte. Der britische Justiz verdächtigt den russischen Abgeordneten Lugowoi - der erhält nun einen Orden.

Während derzeit vor einem Londoner Gericht die Frage geklärt wird, ob Moskau vor neun Jahren in den Gifttod des früheren russischen Geheimdienstmitarbeiters und Kremlgegners Alexander Litwinenko verwickelt war, hat der russische Präsident Wladimir Putin einen der Hauptverdächtigen in dem Fall mit einem hohen Staatsorden ausgezeichnet.

Andrej Lugowoi steht auf einer vom Kreml veröffentlichten Liste mit Ordenträgern. Der von Großbritannien im Fall Litwinenko gesuchte Parlamentsabgeordnete Lugowoi erhielt seine Auszeichnung demnach für seine "Dienste für das Vaterland", insbesondere für die "Entwicklung des parlamentarischen Systems" und seine gesetzgeberische Tätigkeit.

Litwinenko war im November 2006 im Alter von 43 Jahren an einer Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 gestorben - drei Wochen, nachdem er in einem Londoner Hotel mit einem russischen Agenten und einem Geschäftsmann Tee getrunken hatte. Die britische Polizei verdächtigt Lugowoi und den Ex-KGB-Agenten Dmitri Kowtun, das Gift in den Tee gemischt zu haben. Moskau lehnte die Auslieferung der beiden ab.

Litwinenko arbeitete damals mutmaßlich für den britischen Geheimdienst MI6. In einer im Namen Litwinenkos veröffentlichten Erklärung wurde Putin beschuldigt. Schon Ende 2012 hatte die britische Justiz mitgeteilt, die Behörden hätten ausreichend Beweise für eine Verwicklung Russlands in den Gifttod des Ex-Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Lugowoi sitzt inzwischen als Abgeordneter der nationalistischen und Kreml-treuen Liberalen Demokraten in der Duma. Er ist dort Vizevorsitzender des Sicherheits- und Anti-Korruptionsausschusses.

Ein Orden auch für Kadyrow

Ebenfalls ausgezeichnet wurde der von Präsident Putin inthronisierte tschetschenische Staatschef Ramsan Kadyrow. Dass die Auszeichnungen nur gut eine Woche nach der Ermordung des Kreml-Kritikers Boris Nemzow erfolgten, bezeichnete Putins Sprecher Dmitri Peskow als Zufall. Solche Auszeichnungen hätten einen mehrmonatigen Vorlauf.

Ermittlungen in London

Vor einem Londoner Gericht ist Ende Januar der Fall Litwinenko wieder aufgerollt worden. Die zu behandelnden Themen seien äußerst schwerwiegend, es gehe "um die Frage einer Verantwortung des russischen Staates für Litwinenkos Tod", sagte der Leiter der Untersuchung, Robert Owen. In den kommenden Monaten soll hinter verschlossenen Türen Geheimdienstmaterial ausgewertet werden, Ende des Jahres will Owen einen Bericht vorlegen. Moskau hat bereits klar gemacht, dass es die Ermittlungen nicht unterstützen werde.

Schon Ende 2012 teilte die britische Justiz mit, die Behörden hätten ausreichend Beweise für eine Verwicklung Russlands in den Gifttod des Ex-Agenten des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB. Im Mai 2013 erklärte die Justiz jedoch, im Rahmen des laufenden Verfahrens könne dem Verdacht auf eine Verantwortung der russischen Staatsführung nicht nachgegangen werden. Nach langem Zögern gab die britische Regierung im vergangenen Jahr grünes Licht für die neue Untersuchung hinter verschlossenen Türen.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP

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