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Kreativer Protest vor dem Lincoln-Denkmal: Frauenrechtlerinnen kritisieren im Januar Putin und Trump.
Kreativer Protest vor dem Lincoln-Denkmal: Frauenrechtlerinnen kritisieren im Januar Putin und Trump.(Foto: AP)
Freitag, 13. Juli 2018

Gipfel in Helsinki: Putin kann auf Trumps Eitelkeit setzen

Von Issio Ehrich

US-Präsident Trump erträgt Niederlagen nicht gut. Ihm ist es wichtig, am Ende als Triumphator dazustehen. Darauf kann sein russischer Amtskollege Putin beim Gipfel in Helsinki bauen.

Was passiert, wenn US-Präsident Donald Trump an diesem Montag auf seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin trifft? Die jüngsten Gipfel, die Trump besucht hat, geben vielleicht einen Vorgeschmack. Die Ergebnisse waren schwammig. Trump verkaufte sie trotzdem als Coup. Und er schaffte es, die Zahl der Superlative, mit denen er gern um sich wirft, noch einmal zu steigern, wenn es darum ging, seine Gesprächspartner zu preisen.

Vor gut einem Monat war das so bei der Begegnung mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur zu beobachten. Die beiden Staatschefs einigten sich auf ein eineinhalb Seiten dünnes Abschlussdokument. Keine Meilensteine, keine Details - das Dokument war inhaltlich völlig substanzlos.

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Der US-Präsident tat nach den Gesprächen trotzdem so, als sei der Gipfel der pompöse Beginn einer Erfolgsgeschichte. Und er überhäufte seinen Verhandlungspartner Kim, den Herrscher eines zugrunde gewirtschafteten Gulag-Staates, als "ehrenhaft", "witzig" und eine "großartige Persönlichkeit".

Beim Nato-Gipfel in Brüssel Mitte der Woche sorgte Trump für eine Sondersitzung zum Thema Verteidigungsausgaben. Dabei einigten sich die 29 Staats- und Regierungschefs Teilnehmerangaben zufolge auf nichts Substantielles, was nicht vorher schon beschlossen worden war.

Als Trump wenig später vor die Presse trat, sprach er dagegen von "enormen Fortschritten". Die Nato bezeichnete er als das vielleicht "großartigste" Bündnis aller Zeiten. Selbst Kanzlerin Angela Merkel und Deutschland, die er sonst heftig kritisiert, zollte er "großen Respekt".

Revanchiert sich der "brilliante" Trump?

Ein schwammiges, detailloses Ergebnis, das als der Coup verkauft wird, und Lobpreisungen des Verhandlungspartners nach den Gesprächen – so könnte es auch mit Trump und Putin laufen.

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Auf dem Tisch liegen eine ganze Reihe an großen Themen: Syrien, der Konflikt in der Ukraine, die Einmischung Russlands in den amerikanischen Wahlkampf, die ins Stocken geratene Abrüstung strategischer Waffen der beiden Großmächte.

Wahrscheinlich werden sich die beiden dabei aber nur auf Allgemeinplätze verständigen. Der frühere amerikanische Spitzendiplomaten für die früheren Sowjetunion, Stephen Sestanovich, sagte dem Magazin "New Yorker": "Man kann sich vorstellen, wie sich Trump und Putin im Singapur-Stil darauf einigen, dass die Welt besser wäre, wenn es keine Atomkriege, kein Wettrüsten und keine Menschen in Angst vor nuklearer Auslöschung mehr gäbe."

Auch um blumige Worte für Putin dürfte Trump nicht verlegen sein. Der russische Präsident ist schließlich schon in Vorleistung gegangen. Gewissermaßen zumindest. Er nannte ihn 2016 "brilliant". Da er das russische Wort "Yarkii" verwendete, gehen Experten allerdings davon aus, dass Putin wohl eher "schillernd" meinte. Trump selbst sah sich aber als Genie gepriesen.

An Moskau führt kein Weg vorbei

Trumps Hang, eigentlich magere Gipfelergebnisse als den großen Wurf zu verkaufen, hat zwei Gründe. Er setzt sich gern als Sieger in Szene: "Mein IQ ist einer der höchsten - das wisst ihr alle!", twitterte er mal. "Ich bin beim Bauen der BESTE, guckt euch doch nur an, was ich gebaut habe." Sätze wie diese gibt es Dutzende von Donald Trump. Der zweite Grund hat weniger mit der Persönlichkeitsstruktur des Präsidenten zu tun, sondern mit handfester Politik. Im November stehen in den USA Zwischenwahlen an. Bei den sogenannten Mid Terms geht es um entscheidende Sitze im US-Kongress. Trump will bei seiner Klientel Erfolge vorzeigen – egal wie.

Trump wirkt unberechenbar. Das Wenige, auf das sich Putin bei ihm verlassen kann, sind vielleicht aber diese Mechanismen. Putin dürfte alles daran setzen, damit zu spielen. Für Russlands Präsidenten wäre schließlich auch schon ein inhaltlich dünnes Ergebnis des Gipfels ein riesiger Erfolg. Seit der Annexion der Krim 2014 ist Russland in der Welt isoliert. Ein Treffen mit dem US-Präsidenten, der dieses auch noch als Triumph feiert, wäre ein Signal: An Moskau führt kein Weg vorbei.

Quelle: n-tv.de