Politik

Kritik an Putins Mobilmachung Selenskyj: "Protestiert! Kämpft! Lauft weg!"

316608569.jpg

"Protestiert! Kämpft! Lauft weg! Oder begebt Euch in ukrainische Kriegsgefangenschaft! Das sind die Varianten für Euch zu überleben", sagte Selenskyj.

(Foto: picture alliance/dpa/Planet Pix via ZUMA Press Wire)

Der ukrainische Präsident entscheidet sich, seine neue Videoansprache auf Russisch zu halten. Seine Rede richtet er dieses Mal auch an das Volk seines Kriegsgegners. Selenskyj erklärt den Familien dort, welche Auswirkungen Präsident Putins Teilmobilmachung auf ihr Leben haben kann.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Russen dazu aufgerufen, sich gegen die Teilmobilmachung im Land zu stellen. "Protestiert! Kämpft! Lauft weg! Oder begebt Euch in ukrainische Kriegsgefangenschaft! Das sind die Varianten für Euch zu überleben", wandte sich Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache auf Russisch an die vor der Mobilisierung stehenden Menschen in Russland. Seinen Angaben nach sind bereits 55.000 russische Soldaten in der Ukraine ums Leben gekommen.

Selenskyj richtete auch einen Appell an die Mütter und Ehefrauen der Einberufenen. "Zweifelt nicht daran, dass die Kinder der Führung Eures Staats nicht am Krieg gegen die Ukraine teilnehmen. Diejenigen, die die Entscheidungen in Eurem Land treffen, schützen ihre Kinder. Und Eure Kinder werden nicht einmal beerdigt", sagte er. An die eigenen Landsleute gerichtet erklärte Selenskyj, dass die Mobilisierung in Russland ein Zeichen der Stärke der Ukraine sei.

Mit der Entscheidung werde der Krieg nun für die Russen nicht mehr nur ein Ereignis aus dem Fernsehen sein, sondern ins reale Leben einziehen. Für die Ukrainer hingegen ändere sich dadurch nichts, sie würden weiter für die Befreiung ihres Landes kämpfen, gab er sich überzeugt. Bezug nehmend auf die UN-Vollversammlung erklärte der ukrainische Präsident, dass die Ukraine nun von einem noch größeren Kreis an Staaten der internationalen Gemeinschaft unterstützt werde.

Viele Direktflüge aus Russland ausgebucht

Angesichts der von Präsident Wladimir Putin angekündigten Teilmobilmachung haben bereits zahlreiche Russen das Land verlassen, um einem Einsatz an der Front zu entgehen. Von den Grenzen zu mehreren Nachbarländern wurden lange Warteschlangen gemeldet, aktuelle Zahlen von aus Russland flüchtenden Menschen sind bislang aber nicht bekannt. Die Ankündigung hatte auch zu einem Ansturm auf Tickets für Auslandsflüge geführt. Laut der in Russland beliebten Buchungsseite "Aviasales" waren alle Direktflüge in die nächstgelegenen ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan bereits am Mittwoch ausgebucht.

Putin hatte am Mittwoch eine Teilmobilmachung von Russen im wehrfähigen Alter angekündigt. Nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu sollen rund 300.000 Reservisten zur Verstärkung der russischen und separatistischen Kräfte in den Osten und Süden der Ukraine entsandt werden.

Nach Angaben des russischen Militärs meldeten sich binnen 24 Stunden rund 10.000 Menschen, um in der Ukraine zu kämpfen. Sie seien freiwillig und ohne auf die Vorladung zu warten in die Rekrutierungsbüros gekommen, sagte ein Militärsprecher der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Am Mittwoch waren in Russland bei Protesten gegen die Teilmobilmachung landesweit mehr als 1300 Menschen festgenommen worden, wie die Bürgerrechtsorganisation OVD-Info mitteilte.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 23. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, lve/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen