Politik

"Das Zentrum der Welt" RIA Nowosti sieht russische Zukunft in der UdSSR

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Ein roter Stern über dem Kreml-Palast. Der RIA-Propagandist Pjotr Akopow bezeichnet Russland als eine "der beiden großen Zivilisationen".

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Zwei Tage nach dem Überfall auf die Ukraine veröffentlicht die russische Nachrichtenagentur RIA versehentlich einen Kommentar, in dem der Sieg bereits gefeiert und von einer "neuen Weltordnung" gesprochen wird. Jetzt meldet sich der Autor des Textes wieder zu Wort - mit weiteren verstörenden Thesen.

Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti sieht die Zukunft ihres Landes in einer Rückkehr der Sowjetunion. Nach dem Ende der "Feindseligkeiten", wie die staatliche Agentur den Krieg nennt, werde es weder die Ukraine noch Russland, wie man es heute kennt, geben, heißt es in einem Artikel mit dem Titel "Das Russland der Zukunft - nach vorne, in die UdSSR". "Die postsowjetische Übergangszeit" sei ebenso vorbei wie die "Zeit der Zweideutigkeiten", so der Autor Pjotr Akopow. "Wir werden wieder in der UdSSR leben, aber nicht in der, die die Antisowjets fürchten oder von der die Kommunisten träumen. Nein, wir fangen an, ein gerechtes, solidarisches und souveränes Russland aufzubauen."

Bereits zwei Tage nach dem Kriegsbeginn hatte RIA mit einem anderen Artikel desselben Autors Schlagzeilen auf der ganzen Welt gemacht. Am 26. Februar veröffentlichte die Agentur versehentlich einen Kommentar Akopows, der für den Fall eines Sieges Russlands in der Ukraine vorbereitet war. "Der Vorstoß Russlands und der neuen Welt", hieß der Text. Darin schrieb Akopow, "Russlands Militäroperation" in der Ukraine habe eine neue Ära eingeläutet. Der Autor sprach unter anderem von einer angeblichen neuen Weltordnung. Russland habe gezeigt, dass die Zeit der "westlichen globalen Dominanz" vorbei sei.

"Die beiden großen Zivilisationen"

Auch im aktuellen Artikel ist von einer neuen Weltordnung die Rede. "Das Wichtigste, was uns fehlt, und das Einzige, was wir wirklich von Ausländern lernen müssen: die Vorstellung von Russland als dem Zentrum der Welt", behauptet Akopow. Dies sei kein Stolz, kein Hochmut und auch kein "Chauvinismus einer Großmacht", heißt es weiter. "Unser Denken muss russozentrisch werden", fordert der RIA-Kommentator.

Hier nennt er China als Vorbild, denn die Chinesen nehmen nach Akopows Vorstellung die ganze Welt als Randgebiet des Reiches der Mitte wahr. "Und wenn unsere Weltanschauung ähnlich wird, also national, wird dies das gegenseitige Verständnis mit unserem Nachbarn nur stärken und das Bündnis zwischen den beiden großen Zivilisationen viel stärker machen, als es zu Sowjetzeiten war", meint er mit Blick auf China.

"Den Zusammenbruch der Sowjetunion sühnen"

Den "postsowjetischen Staatskapitalismus" bezeichnet Akopow als die "größte Schwachstelle des scheidenden Russlands". Die ideologische Abhängigkeit der Neureichen vom Westen habe sie zur Verachtung ihres eigenen Volkes geführt, schreibt Akopow. Deswegen sieht er die Wirkung der Sanktionen gegen Russland positiv: "Viele Vertreter der 'Elite' flohen einfach ins Ausland. Putin bezeichnete dies sehr treffend als einen natürlichen und notwendigen Prozess der Selbstreinigung unserer Gesellschaft", schreibt Akopow mit Blick auf eine Rede des Kremlchefs am 16. März, in der er den Militäreinsatz in der Ukraine mit harten Worten verteidigt hatte.

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Im neuen Russland werde Gerechtigkeit zur neuen sozioökonomischen Lebensordnung, in der der Arbeiter, der Schöpfer, der Ingenieur, der Erfinder belohnt werde - "Jemand, der etwas schafft, anstatt es zu verpacken und weiterzuverkaufen", erklärt der RIA-Journalist. Akopow ist sicher: "Der Geist der russischen Geschichte, der Geist unserer Vorfahren gibt uns die Chance, den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht nur zu sühnen, sondern ihn durch Schöpfung, durch die Wiedergeburt eines großen Russlands zu korrigieren".

RIA Nowosti ist eine der größten Nachrichtenagenturen Russlands. Ihre Website ist das meistzitierte russische Medium in den sozialen Netzwerken.

Quelle: ntv.de, uzh

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