Politik

Beharren auf Inzidenz RKI-Chef Wieler: Vierte Welle hat begonnen

245319141.jpg

Dass RKI-Chef Lothar Wieler an der Sieben-Tage-Inzidenz festhalten will, sorgt für Unmut bei den Landesvertretern.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Langsam, aber sicher klettert die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland immer weiter nach oben. Doch wie umgehen mit den steigenden Werten? RKI-Chef Wieler will die Inzidenz als "Leitindikator" beibehalten - und widerspricht damit Gesundheitsminister Spahn.

In einer Schaltkonferenz zwischen Kanzleramtschef Helge Braun und den Chefs der Staatskanzleien der Länder hat der Direktor des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, einen eher düsteren Corona-Lagebericht präsentiert. In dem Papier, dass ntv vorliegt, betont das RKI, dass die Inzidenzen seit drei Wochen steigen und auch der R-Wert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, seit Juli kontinuierlich über 1 liegt. Zudem steige seit rund zwei Wochen die Zahl der Patienten, die wegen einer Covid-19-Erkrankungen im Krankenhaus behandelt werden müssen, wieder an. "Die vierte Welle hat begonnen", erklärte Wieler.

Inzidenz soll wichtigster Parameter bleiben

Angesichts der Diskussion über den Umgang mit steigenden Infektionszahlen sprach sich Wieler weiter für die Inzidenz als "Leitindikator" aus. In der Schaltkonferenz erklärte das RKI wörtlich: "Die Inzidenz ist Leitindikator für Infektionsdynamik." Generell gelte nach wie vor: "Je mehr Fälle auftreten, desto mehr schwere Verläufe (Krankenhauseinweisungen/ITS) und Todesfälle werden - mit etwas Zeitverzug - registriert." Dies führe auch zu einer höheren Belastung des Gesundheitssystems. Denn bei sehr hohen Inzidenzen steige auch die Zahl der Beeinträchtigungen sowie die Zahl der schweren Verläufe, die im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden müssten.

Auf den von zahlreichen Wissenschaftlern angemahnten Aspekt, dass hohe Inzidenzen in jüngeren Altersgruppen andere Auswirkungen hätten als hohe Inzidenzen bei Älteren geht das Papier nicht näher ein. Vielmehr betont das RKI, dass eine steigende 7-Tage-Inzidenz nach wie vor "der früheste aller Indikatoren" sei. "Die 7-Tage-Inzidenz bleibt daher wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren."

Damit widerspricht Wieler auch Gesundheitsminister Jens Spahn, der vor einigen Wochen erklärt hatte, dass der Inzidenzwert an Aussagekraft verliere.

Laut "Bild"-Zeitung waren die Ländervertreter mit Wielers Festhalten an der Niedrig-Inzidenz-Strategie überwiegend nicht einverstanden. Teilnehmer hätten sich dagegen ausgesprochen, die Inzidenz weiter als wichtigsten Maßstab für die Corona-Maßnahmen zu betrachten.

Braun erklärte laut dem Bericht die Frage, welche Bedeutung die Inzidenz künftig haben soll, zur Richtungsentscheidung. Bund und Länder sollten bis zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August entscheiden, ob sie ausschließlich dem Ziel folgen, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern - oder ob sie anstreben, die Nachverfolgung der Corona-Infektionen sicherzustellen und somit die Inzidenz niedrig zu halten.

Für den 10. August ist eine Videokonferenz der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angesetzt. Die Teilnehmer werden über die künftige Strategie in der Corona-Pandemie beraten. Zuletzt waren Debatten um mehr Freiheiten für Geimpfte sowie neue Richtwerte zur Einschätzung der pandemischen Lage aufgekommen.

Quelle: ntv.de, hny/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.