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Mindestens zehn tote Zivilisten Rebellen starten neue Offensive auf Aleppo

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Seit Monaten halten die Kämpfe in Aleppo an: Es droht eine humanitäre Katastrophe.

(Foto: AP)

Erneut versuchen die syrischen Rebellen, den Belagerungsring um Aleppo zu durchbrechen. Bei den Kämpfen verlieren zahlreiche Zivilisten ihr Leben. Nur eine Waffenruhe kann das Sterben beenden - ohne sie wird es wohl auch keine neuen Friedensgespräche geben.

Syrische Rebellengruppen haben eine neue Offensive im Kampf um Aleppo gestartet. Die Rebellen versuchten, den Belagerungsring der Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad im Südwesten der Stadt zu durchbrechen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Beobachter sprachen von schwerem Artilleriebeschuss der Rebellen und von Luftangriffen des Regimes und seiner Verbündeten.

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Immer wieder werden Gebäude durch Luftangriffe zerstört.

(Foto: AP)

Durch Luftschläge auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein. Drei Zivilisten starben demnach durch Granatenbeschuss auf die von Regierungstruppen kontrollierten Viertel. Die Beobachter berichteten von schweren Kämpfen, riesigen Explosionen, sowie Kampfflugzeugen und -hubschraubern über der Stadt. Die frühere Handelsmetropole Aleppo im Norden Syriens ist zweigeteilt: Der Westen wird von Regierungstruppen gehalten, der Osten von Aufständischen. Darunter sind sowohl moderate als auch islamistische Gruppierungen.

Rebellen unter Führung von Islamisten

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind noch immer bis zu 300.000 Menschen im Osten der Stadt eingeschlossen. Das syrische Regime hatte vor gut zwei Wochen die letzte Versorgungsroute in den Ostteil Aleppos gekappt. Seit gut einer Woche versucht ein Bündnis von Rebellengruppen unter Führung von Islamisten, die Belagerung zu brechen. "Dieser Kampf wird die Machtverhältnisse in Syrien verändern", sagte der Anführer der Dschabhat Fatah al-Scham ("Eroberungsfront der Levante"), Abu Mohammed al-Dschaulani, in einer Audiobotschaft.

*Datenschutz

Die frühere Nusra-Front ist maßgeblich an den Kämpfen um Aleppo beteiligt. Die Gruppe hatte sich zuletzt offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt. Al-Dschaulani lobte die "Einheit" der Rebellen in der Botschaft. Die Nachricht konnte nicht unabhängig verifiziert werden. Ziel der Gruppe ist es, die verschiedenen Rebellengruppen zu einen und in Syrien ein Herrschaftsgebiet unter der islamischen Rechtssprechung der Scharia aufzubauen.

Ohne Waffenruhe keine Friedensgespräche

Unterdessen hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine sofortige Waffenruhe und Hilfslieferungen für die eingeschlossenen Menschen in Aleppo gefordert. "Wenn eine militärische Lösung gesucht wird, dann ist Genf gestorben", sagte Steinmeier in Vaduz mit Blick auf die angestrebten neuen Friedensverhandlungen. Russland, das Machthaber Baschar al-Assad zur Seite steht, biete zwar humanitäre Korridore an, sagte Steinmeier. Aber nach russischen Vorstellungen dienten diese Korridore nur dazu, dass die Menschen die Stadt verlassen - obwohl es auch außerhalb der stark umkämpften Metropole keine Sicherheit gebe.

Besser sei es, Korridore einzurichten, damit Hilfsorganisationen die Menschen versorgen könnten. Anfang der Woche hatte die Bundesregierung der russischen Führung ein zynisches Verhalten im Syrien-Krieg vorgeworfen und Russland sowie die syrische Regierung zu einem sofortigen Waffenstillstand im Gebiet von Aleppo aufgefordert. Aleppo war vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges die größte Stadt Syriens. Sie ist seit 2012 umkämpft. In den eingekesselten Rebellengebieten der Stadt sollen noch mehr als 250.000 Zivilisten leben.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/rts

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