Politik

Ukrainischer Soldat getötet Rebellenchefs in Ostukraine verkünden "Generalmobilmachung"

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Denis Puschilin appelliert "an alle Männer der Republik, die in der Lage sind, eine Waffe in der Hand zu halten, sich für ihre Familien, ihre Kinder, ihre Frauen, ihre Mütter einzusetzen".

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Der Konflikt in der Ostukraine spitzt sich zu. Die Chefs der pro-russischen Rebellen in den selbsternannten "Volksrepubliken" rufen zur "Generalmobilmachung" auf: "Wir werden den Donbas und das ganze russische Volk schützen", heißt es. Ein ukrainischer Soldat soll indes durch ein Schrapnell getötet worden sein.

Die Chefs der pro-russischen Rebellen in den selbsternannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk in der Ostukraine haben zur "Generalmobilmachung" aufgerufen. Er habe ein entsprechendes "Dekret" unterzeichnet, sagte der Donezker Rebellenchef Denis Puschilin in einer Videobotschaft. Er richte sich damit an Reservisten. "Ich appelliere an alle Männer der Republik, die in der Lage sind, eine Waffe in der Hand zu halten, sich für ihre Familien, ihre Kinder, ihre Frauen, ihre Mütter einzusetzen", heißt es in dem Aufruf. "Wir werden den Donbas und das ganze russische Volk schützen." Auch im Gebiet Luhansk gab es einen Appell. Männer im Alter von 18 bis 55 Jahren dürften das Gebiet nicht mehr verlassen, hieß es.

Nach Angaben der ukrainischen Armee wurde einer ihrer Soldaten im Osten des Landes durch den Beschuss pro-russischer Rebellen getötet. "Infolge eines Beschusses hat ein ukrainischer Soldat eine tödliche Wunde durch ein Schrapnell erlitten", teilte das Militärkommando für die Ostukraine mit. Die dortige Gewalt hat zuletzt deutlich zugenommen, beide Seiten machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Nach Darstellung der Separatisten wurden die Angriffe in der Nacht fortgesetzt. Die Aufständischen in dem Gebiet Donezk teilten am Morgen mit, seit Mitternacht seien mehrere Dutzend Granaten auf ihr Gebiet abgefeuert worden. Nach Angaben der Donezker Separatisten wurde bei einem Beschuss eine Wasserleitung beschädigt. Auch die Separatisten im Gebiet Luhansk sprachen von mehreren Verstößen gegen den Waffenstillstand. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben die Angriffe entlang der ostukrainischen Frontlinie zuletzt "dramatisch zugenommen". Die Organisation registrierte in dem Konfliktgebiet Hunderte Fälle von Beschuss. In der Region Luhansk seien 648 Verstöße gegen die Waffenruhe festgestellt worden, darunter 519 Explosionen, hieß es in einer am späten Freitagabend veröffentlichten Mitteilung der OSZE. Für die Region Donezk wurden 222 Verstöße gemeldet, darunter 135 Explosionen.

Hunderttausende Menschen sollen Donezk verlassen

Unterdessen liefen die Evakuierungen der Städte und Dörfer in den Regionen Luhansk und Donezk weiter. Nach Angaben der Donezker Separatisten vom Samstagmorgen wurden bereits mehr als 6000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter 2400 Kinder. In der südrussischen Region Rostow stehen für diese Menschen Unterkünfte bereit.

Aus dem Gebiet Donezk sollen insgesamt 700.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, wie die Behörden mitteilten. Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Regierung in Moskau an, den Flüchtlingen zu helfen. Unter anderem sollten pro Person 10.000 Rubel (rund 116 Euro) ausgezahlt werden.

Die Separatistenführungen hatten am Freitag zur Flucht aufgerufen und den Appell mit einem drohenden Angriff durch ukrainische Regierungstruppen begründet. Das ukrainische Militär hatte betont, keine Offensive gegen die Region zu planen.

Seit 2014 kämpfen in den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk unweit der russischen Grenze vom Westen unterstützte Regierungstruppen gegen von Russland unterstützte Separatisten. UN-Schätzungen zufolge sind bereits mehr als 14.000 Menschen getötet worden, zumeist im Separatistengebiet. Ein Friedensplan von 2015 unter deutsch-französischer Vermittlung wird nicht umgesetzt.

Sorge vor russischem Einmarsch

Die zunehmende Gewalt in der Ostukraine nährt die Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine weiter. US-Präsident Joe Biden sagte am Freitag, er sei "überzeugt", dass Kreml-Chef Wladimir Putin die Entscheidung für den Angriff auf das Nachbarland bereits "getroffen hat". Mit der Invasion sei in den "kommenden Tagen" zu rechnen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, es könne "keinen Zweifel geben, dass wir nun die größte Konzentration militärischer Streitkräfte in Europa seit dem Ende des Kalten Krieges erleben".

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Ein massiver russischer Truppenaufmarsch mit nach westlichen Angaben inzwischen rund 150.000 Soldaten schürt seit Wochen Befürchtungen vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Moskau bestreitet jegliche Angriffspläne und führt seinerseits an, sich von der NATO bedroht zu fühlen.

Für Samstag setzte Russland ein Großmanöver seiner Armee an, das von Putin selbst beaufsichtigt wird. Dabei sollen strategische Truppen sowie ballistische Raketen einbezogen werden, wie das Verteidigungsministerium in Moskau ankündigte. Beteiligt sein sollen die Luftwaffe, Armeeeinheiten aus dem südlichen Militärbezirk sowie die Schwarzmeer- und die Nordmeer-Flotte.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa

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