Politik

"Neue Bedrohungen" Rechter Terror nimmt weltweit zu

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Bei einem rechtsradikalen Anschlag erschoss im Februar ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau mehrere Menschen und sich selbst.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Jahrzehnten hat es auf der Welt nicht so viele rechte Terrorangriffe gegeben wie 2019. Dem aktuellen Global Terrorism Index zufolge fordert allerdings nach wie vor der islamistische Terror weitaus mehr Opfer. Doch dort ist es nicht die IS-Miliz, die das größte Leid anrichtet.

Rechtsextremistische Angriffe haben einer internationalen Studie zufolge in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. In Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien sei die Zahl dieser Taten seit 2014 um 250 Prozent angestiegen, stellten die Forscher des jährlichen Global Terrorism Index fest, den das Institute for Economics and Peace in London vorstellte. Bei den Todesopfern lag der Anstieg innerhalb von fünf Jahren sogar bei mehr als 700 Prozent. Es gebe nun so viele rechte Angriffe wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 50 Jahren, schreiben die Forscher. 2019 kamen insgesamt 89 Menschen bei solchen Taten ums Leben.

"Mit dem Beginn einer neuen Dekade sehen wir neue terroristische Bedrohungen. Der Anstieg des Rechtsextremismus im Westen und die Verschlechterungen in der Sahel-Zone sind wesentliche Beispiele dafür", sagte der Exekutivdirektor des Instituts, Steve Killelea.

Von islamistischer Seite sehe man derzeit vermehrt Angriffe kleinerer Gruppen, die mit dem sogenannten Islamischen Staat (IS) sympathisierten - wie in der Subsahara, aber auch in Europa, wie etwa an den Vorfällen in Frankreich und Österreich sichtbar wurde.

Insgesamt ist die Zahl der Toten durch Terrorismus allerdings bereits das fünfte Jahr in Folge gesunken: In den vergangenen fünf Jahren ging diese Zahl um knapp 60 Prozent zurück - 2019 lag sie bei etwas weniger als 14.000 Todesopfern weltweit. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Rückgang um 15 Prozent. Außerdem sind immer weniger Länder überhaupt von Terrorismus betroffen: Im vergangenen Jahr hatten 63 Länder mindestens einen Terror-Toten zu beklagen - das ist die niedrigste Zahl seit 2013.

Pandemie könnte zu Instabilität führen

Die Widerstandsfähigkeit vieler hoch entwickelter, westlicher Gesellschaften habe in den vergangenen Jahren abgenommen, schreiben die Studienautoren. Die Corona-Pandemie könne diesen Trend verschärfen und wegen der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten auch zu noch mehr politischer Instabilität führen. Es müssten daher Maßnahmen ergriffen werden, um terroristischen Organisationen ihre Medienpräsenz und Finanzierung zu entziehen sowie zu verhindern, dass Menschen zu Anhängern der Bewegungen werden.

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Obwohl die Opferzahlen durch islamistische Terrorangriffe weiterhin in den Tausenden liegen, sehen die Studienautoren einen deutlichen Rückgang. Der Einfluss und die Macht des IS sinke kontinuierlich. Das erste Mal, seit die Terrormiliz aktiv wurde, lag die Zahl ihrer Todesopfer dem Bericht zufolge 2019 bei unter 1000. Die Organisation, die für die meisten Opfer terroristischer Angriffe verantwortlich ist, bleibt weiterhin die Taliban - auch hier ist der Trend jedoch rückläufig.

Anhaltende Krisen und Konflikte sind der Untersuchung zufolge weiterhin die hauptsächlichen Treiber für Terrorismus. So ereigneten sich mehr als 96 Prozent der terroristischen Angriffe in Ländern mit anhaltenden Konflikten wie Afghanistan, Syrien, Nigeria, Somalia oder dem Jemen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa