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Affäre um Drohmails Rechtsextremismus trifft vor allem Frauen

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Häufig sind Hassmails gegen Frauen mit sexualisierten Gewaltfantasien verbunden.

(Foto: picture alliance / Sebastian Gol)

Adressaten von Hassbotschaften sind häufiger Frauen als Männer. Zur rechtsextremen Weltanschauung gehöre es, das weibliche Geschlecht abzuwerten, weiß die antirassistische Amadeu-Antonio-Stiftung. Und spricht gar von einer "neuen Form der digitalen Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen".

Die rechtsextremen Drohmails, die im Zusammenhang mit der hessischen Polizei bekannt geworden sind, richten sich bislang ausschließlich gegen Frauen. "Das kommt nicht von ungefähr", meint Franziska Schindler, Sprecherin der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rassismus einsetzt.

"Frauenfeindliche Haltungen sind elementarer Bestandteil rechtsextremer Weltanschauung", führt sie weiter aus. "Rechtsextreme gehen von naturgegebenen Unterschieden zwischen den Geschlechtern aus - mit einer klaren Hierarchisierung und Rollenzuschreibung. Da liegt es nahe, die ohnehin schon abgewerteten Frauen priorisiert mit Morddrohungen zu versorgen."

Polizeipräsident tritt nach Affäre zurück

Es sei natürlich nicht davon auszugehen, dass ausschließlich Frauen bedroht werden. Fakt sei aber, dass Frauen deutlich häufiger als Männer von rechtsextremen Bedrohungen betroffen sind, vielmals verbunden mit sexualisierten Gewaltfantasien. Insbesondere im Netz tobten sich Verfasser von Hassbotschaften aus, "sodass von einer neuen Form der digitalen Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen gesprochen werden kann", so Schindler.

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Kürzlich war bekannt geworden, dass Hessens Fraktionschefin Janine Wissler, Berlins Fraktionsvorsitzende Anne Helm, die Bundestagsabgeordnete Helin Evrim Sommer und die Thüringer Bundestagsabgeordnete Martina Renner mit "NSU 2.0" unterzeichnete Drohmails erhalten hatten. Zumindest teilweise waren vorher persönliche Daten der Politikerinnen von hessischen Polizeicomputern abgefragt worden. Weitere bekannte Empfängerinnen von Drohmails waren die Kabarettistin Idil Baydar und die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, die im Münchner Prozess um die Morde des "Nationalsozialistischen Untergrunds" Opferfamilien vertreten hatte.

Im Zuge der Affäre um die Polizeicomputer ist am Dienstag Hessens Polizeipräsident Udo Münch zurückgetreten. Bereits vergangene Woche hatte ein Sonderermittler nach Hinweisen auf ein rechtes Netzwerk in der Polizei seine Arbeit aufgenommen.

Quelle: ntv.de, chf/AFP/dpa