Politik

Wahlkampf in Brasilien Rechtspopulist nennt UN "linksextrem"

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Gustavio Bebianno (Mitte) ist der Präsident der rechtspopulistischen Partei PSL von Präsidentschaftskandidat Bolsonaro.

(Foto: picture alliance/dpa)

Verdrehte Wahrheiten und offene Lügen bereiten Beobachtern im brasilianischen Wahlkampf große Sorgen. "Fake News" werben auffallend häufig für den rechten Kandidaten Bolsonaro. Dessen Partei erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wahlbeobachter aus dem Ausland.

Unmittelbar vor der Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasilien hat der Präsident der Partei des rechtspopulistischen Kandidaten Jair Bolsonaro internationalen Organisationen eine unzulässige Einmischung in die brasilianische Innenpolitik vorgeworfen. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Vereinten Nationen (UN) hätten "linksextreme, globalisierende Tendenzen", sagte Gustavio Bebianno, Präsident der Sozial-Liberalen Partei (PSL), vor Journalisten. Die OAS habe "nicht die geringste Glaubwürdigkeit".

Kurz zuvor hatte die OAS-Wahlbeobachterin Laura Chinchilla ihrer "ständigen Sorge" über die Verbreitung von Falschinformationen im brasilianischen Wahlkampf Ausdruck verliehen. Diese habe ein "nie gesehenes Ausmaß" angenommen.

Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vor drei Wochen waren Vorwürfe aufgekommen, dass unbekannte Kräfte massiv "Fake News" zulasten der Arbeiterpartei (PT) und zugunsten Bolsonaros über WhatsApp verbreiteten. PT-Kandidat Fernando Haddad machte seinen politischen Gegenspieler für den angeblichen Propaganda-Feldzug verantwortlich.

Bolsonaro liegt vorn

Brasilien steht vor einer politischen Neuausrichtung: Nach einem spannungsgeladenen Wahlkampf bestimmen die Brasilianer am Sonntag ihren neuen Präsidenten. Rund 147 Millionen Wähler sind aufgerufen, sich zwischen Bolsonaro und seinem linken Konkurrenten Haddad zu entscheiden. Bolsonaro, der sich als Anhänger der früheren Militärdiktatur zu erkennen gab, geht als haushoher Favorit ins Rennen.

"Wir produzieren keine falschen Informationen", sagte PSL-Chef Bebianno. Chinchilla spreche offenbar von Haddads Partei, kritisiere diese aber nicht, weil sie selber links sei, erklärte der 54-jährige Unterstützer des rechtspopulistischen Präsidentschaftskandidaten. Bolsonaro hat in der Vergangenheit wiederholt die Rolle internationaler Organisationen infrage gestellt, insbesondere den UN-Menschenrechtsrat.

Quelle: ntv.de, lri/AFP