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Nach Greenpeace-Protesten Regierung will Abbau von Shell-Öl-Plattform

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2017 fotografiert ein Mann in Hartlepool, Großbritannien, Shells Ölplattform Brent Delta.

(Foto: REUTERS)

In der Nordsee befinden sich etliche alte, verkommene Shell-Ölplattformen. Der Konzern will diese dort belassen - und nimmt so potenzielle Gefahren für Umwelt und Schifffahrt in Kauf. Von britischer Seite aus gibt es dafür sogar Genehmigungen. Nun drängt Deutschland auf einen Kurswechsel.

Deutschland drängt den Shell-Konzern, mehrere alte, ausgediente Ölplattformen in der Nordsee und im Nordostatlantik vollständig abzubauen. Zudem soll der Konzern die darauf gelagerte große Menge Altöl entsorgen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Berlin. Dazu gebe es am Freitag in London eine Sondersitzung der Anrainerstaaten. Der Sprecher ließ offen, ob Shell verpflichtet werden könne, die älteren Plattformen abzubauen und das Öl zu entsorgen.

Shell plant, mindestens vier solcher ausgedienter Plattformen im sogenannten Brent-Ölfeld in der nördlichen Nordsee zu belassen und das darin enthaltene Öl nicht abzupumpen. Großbritannien als Genehmigungsland hat im Januar darüber informiert und angekündigt, Shell eine Ausnahmegenehmigung vom grundsätzlichen Gebot des vollständigen Rückbaus ausgedienter Plattformen zu erteilen. Der Ausnahmegenehmigung und dem Vorgehen von Shell hat Deutschland den Angaben zufolge im April 2019 widersprochen. Da bisher keine Einigung erzielt worden sei, habe Deutschland eine Sondersitzung der Anrainerstaaten einberufen, hieß es. Nach den Plänen von Shell sollen die Tragekonstruktionen von vier Ölplattformen in der Nordsee verbleiben.

Dies sei "absolut inakzeptabel", sagte dazu ein Sprecher des Umweltressorts. Vielmehr müssten aus deutscher Sicht die Anlagen abgebaut werden. Der Sprecher verwies darauf, dass die noch etwa 11.000 Tonnen Rohöl in den Plattformen eine Gefahr für die Umwelt bedeuteten. Zudem könnten die ausgedienten Plattformen die Schifffahrt gefährden. Der deutsche Protest gegen das Vorgehen des Ölkonzerns wird demnach von weiteren Anrainerstaaten unterstützt.

Bei neueren Ölplattformen sind die Betreiber inzwischen zu deren ordnungsgemäßer Entsorgung rechtlich verpflichtet. Für Altanlagen gilt dies jedoch nicht. "Wir müssen mit Nachdruck diesen Rückbau einfordern", sagte gleichwohl der Ministeriumssprecher. Insgesamt gebe es derzeit noch 1740 Öl-Plattformen, die abgebaut werden müssten. Davon befänden sich in 80 Anlagen noch größere Altölreste.

Greenpeace-Aktivisten besetzen Plattformen

Bereits am Montag hatten Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace zwei Shell-Plattformen in der Nordsee besetzt und gegen die Weigerung des Unternehmens protestiert, Altanlagen umweltgerecht zu entsorgen. "Shell, räum Deinen Dreck weg", hieß es auf Transparenten. "Das Öl in den Betonsockeln der Plattformen wird irgendwann in das Meer gelangen", erklärte der Greenpeace-Meeresbiologe Christian Bussau. Shell hinterlasse "eine tickende Zeitbombe".

Greenpeace forderte die britische Regierung auf, Shell keine Genehmigung für das von dem Unternehmen geplante Vorgehen zu erteilen. Dem Nordostatlantik-Rat gehören die Anrainerstaaten der Meeresregion an. Den Vorsitz hat derzeit Irland. Laut Bundesumweltministerium ist das Treffen am Freitag die erste Sondersitzung der Organisation. Der Hauptsitz von Shell befindet sich in den Niederlanden.

Quelle: n-tv.de, agr/dpa/AFP

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