Politik

Im Falle eines Labour-Wahlsiegs Reiche drohen Großbritannien zu verlassen

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Droht eine Kapitalflucht aus London?

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Im Dezember wählen die Briten ein neues Parlament. Sie könnten sich dabei für einen drastischen Politikwechsel entscheiden und die bislang oppositionelle Labour-Partei in die Regierung wählen. Sollte das passieren, sehen sich einige gut Betuchte zu Umzügen genötigt.

Zahlreiche Millionäre und Milliardäre erwägen offenbar, Großbritannien den Rücken zu kehren, falls die Labour-Partei bei der Neuwahl im Dezember stärkste Kraft wird. Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, fürchten sich die Superreichen davor, dass Parteichef Jeremy Corbyn seine Wahlversprechen wahrmacht. Ihnen drohten empfindliche finanzielle Einbußen, wenn tatsächlich etwa höhere Steuern für Vermögende umgesetzt oder Privatschulen abgeschafft würden.

Anwälte der Superreichen geben dem Bericht zufolge an, dass ihre Klienten sich fast schon panisch nach alternativen und steuerärmeren Wohnorten erkundigt hätten. Bei einigen Anfragen sei es auch um frühzeitige Schenkungen an Nachkommen gegangen, um einer angedrohten Besteuerung von Erbschaften ab einem Wert von 125.000 Pfund (knapp 144.500 Euro) zu entgehen.

Demnach bewertet das reichste Prozent einen Wahlsieg von Labour als größere Bedrohung für das Vermögen und den Lebensstandard Großbritanniens, als einen ungeregelten Brexit. Die Zeitung zitiert einen Anwalt mit den Worten, dass seine Klienten bereits Pläne bereithielten, die ihnen ermöglichten, "innerhalb von Minuten" nach der Wahl Corbyns ihr Vermögen aus dem Land zu schaffen. Alles was noch fehle, sei eine "Unterschrift unter dem Vertrag", berichtet der Jurist.

Prominente wie der milliardenschwere Gründer des Einzelhändlers Phones 4u, John Caudwell, bekannten sich demnach bereits öffentlich dazu, Großbritannien zu verlassen, wenn Corbyn Premierminister würde. Eine vom Labour-Chef geführte Regierung sei ein "komplettes Fiasko". Ihn ziehe es in einem solchen Fall nach Südfrankreich oder Monaco.

Privatschulen als Privileg für reiche Sprösslinge?

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Als ein weiteres Indiz für eine gestiegene Angst vor dem Prestigeverlust werden etwa auch die Aussagen des Labour-Schattenfinanzministers Clive Lewis gewertet. Der BBC sagte er jüngst: "Milliardäre sollten nicht existieren." Es sei nicht hinnehmbar, dass ihm auf dem Weg zum Parlament Menschen begegneten, die auf der Straße schlafen müssten, obwohl Großbritannien das sechstreichste Land der Welt sei. Privatschulen nannte er "Motoren der Ungleichheit".

Wie der "Guardian" schreibt, empfinden jedoch viele Vermögende Schulen wie Eton, Harrow oder Winchester als unerlässlich für die Bildung ihrer Kinder. Sollte ihnen dieser Weg versperrt werden, würde es wohl manche in Länder wie die Schweiz ziehen, in denen sie die Steuerlast als erträglich und die Privatschulen als qualitativ hochwertig bewerten.

Der Zeitung zufolge hat Corbyn noch nicht im Detail offengelegt, welche Regelungen er im Zusammenhang mit den Reichen und deren Kapital umsetzen wolle. Allerdings gehe aus einem Manifest der Labour-Partei aus dem Jahr 2017 hervor, dass ein Steuersatz von 45 Prozent auf jährliche Einkommen ab 80.000 Pfund und 50 Prozent bei Einkommen jenseits der 123.000 Pfund erhoben werden sollen. Zurzeit fielen 45 Prozent bei 150.000 Pfund an. Zudem solle die Kapitalertragssteuer erhöht und die Erbschaftssteuer mit einer wesentlich rigoroseren Schenkungssteuer bei Beträgen ab 125.000 Pfund (bislang sind es 325.000 Pfund) ersetzt werden.

Quelle: n-tv.de, fzö

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