Oleksii Makeiev im Frühstart"Riesengefahr sind Parteien, die Sprechzettel aus Moskau bekommen"
Der ukrainische Botschafter lehnt Rückführungen ukrainischer Männer in die Heimat ab. Oleksii Makeiev fragt: Was würden deutsche junge Männer im Kriegsfall tun. In der politischen Entwicklung in Deutschland sieht Makeiev allerdings ein Risiko für sein Land.
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, hat sich gegen die Forderung gewandt, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter aus Deutschland in ihr Heimatland zurückzuschicken. "Ich glaube nicht, dass es rechtliche Grundlagen und Instrumente dafür gibt", sagte Makeiev im Frühstart von ntv.
Die meisten der Männer hätten ihr Land nach geltender Rechtslage verlassen und somit keine Straftat begangen. In der Debatte müsse man sich in Deutschland selbst fragen, was im Kriegsfall passieren würde: "Was werden die deutschen Männer im wehrfähigen Alter da tun?" Makeiev räumte aber ein, dass der Ukraine Soldaten fehlten. Deshalb sei das Thema Mobilisierung sehr wichtig.
Gefahr russischer Narrative in Deutschland
Der Botschafter betonte, die mehr als eine Million schutzsuchenden Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland seien gut integriert. Mehr als 300.000 davon arbeiteten und zahlten Sozialbeiträge. "Das ist sehr wichtig."
In der politischen Entwicklung in Deutschland sieht Makeiev allerdings ein Risiko für sein Land. "Eine Riesengefahr für die Ukraine ist, dass es leider in Deutschland am rechten und linken Rand Kräfte gibt, die eigentlich Sprechzettel aus Moskau bekommen." Die betreffenden Parteien würden diese Botschaften an die Wähler weitertragen. "Man erkennt leider in Deutschland nicht die Gefahr, dass sich die russischen Narrative hier etablieren."
"Russland wird erst stoppen, wenn es gestoppt wird"
Ohne eine Partei namentlich zu nennen, sagte Makeiev: "Ausländerhass, russische Narrative, Aufforderungen an die Ukraine, sich zu ergeben, Aufforderungen, mit Russland wieder Wirtschaftsbeziehungen zu etablieren - das kränkt mich enorm." Er warnte vor einer russischen Gefahr auch für Deutschland. "Russland wird erst stoppen, wenn es gestoppt wird." Derzeit übernähmen diesen Job die Ukrainer.
Makeiev betont, sein Land werde keine Gebiete abtreten, um zu einem Frieden zu kommen. "Mein Präsident hat sich dazu ganz klar geäußert: Das kommt nicht infrage", so der Botschafter. "Nicht die Ukraine, sondern Russland muss unter Druck gesetzt werden." Er hob hervor, dass es nicht nur um Land, sondern auch um Menschen gehe. Millionen von Ukrainer lebten unter russischer Besatzung. "Und die wollen befreit werden."
Alle Ukrainer wollten Frieden, sagte Makeiev. "Aber Tatsache ist, die Russen wollen es überhaupt nicht." Russland spiele auf Zeit und greife jeden Tag an. Der Botschafter zeigte sich dennoch zuversichtlich: "Wir werden Putin dazu bringen, dass er ernsthaft verhandelt." Er forderte, dass neben den USA die Ukraine und Europa als Alliierte am Verhandlungstisch sitzen müssten. Zudem brauche es weiterhin Sanktionen und militärische Hilfe. "Dann werden wir die Russen dazu bringen, den Krieg zu überdenken und zu beenden."
