Politik

Ökonom Hickel in "Das Duell" Riesterrente ist "voll in die Hosen gegangen"

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Im n-tv-Duell: Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel und FDP-Politikerin und Unternehmerin Lencke Steiner.

Die Rente ist sicher? Das war einmal. Der Ökonom Rudolf Hickel befürchtet, dass Mittzwanziger in einer "brutalen Rentenfalle" landen. Deutlich optimistischer sieht das FDP-Politikerin Lencke Steiner. Dennoch fordert sie eine Systemreform.

Der Ökonom Rudolf Hickel hat die Riesterrente zur privaten Altersvorsorge heftig kritisiert. "Wir haben uns mit der Riesterrente die gesamten Risiken des Finanzmarktsystems reingeholt in eine gesetzliche Grundsicherung", sagte Hickel am Abend in "Das Duell bei n-tv" zum Thema "Länger arbeiten, weniger Rente - was bleibt zum Leben?".

"Die Riesterrente ist für einen normalen Einkommensschwächeren nicht bedienbar, und insoweit ist er verdammt zur Armut", so Hickel, der als Professor für Finanzwirtschaft in Bremen lehrt. Vor allem Mittzwanziger würden in einer "brutalen Rentenfalle" landen, die Riesterrente sei insgesamt "voll in die Hosen gegangen." Hickel hatte an einer Studie zur Altersabsicherung mitgewirkt, die der WDR im April vorgelegt hatte. Demnach könnte im Jahr 2030 die Hälfte aller Rentner in Deutschland von Armut betroffen sein.

Die FDP-Politikerin Lencke Steiner gab zu bedenken, dass Riester nur eine von mehreren Säulen der Alterssicherung sei und derzeit hauptsächlich wegen der historisch niedrigen Zinsen kaum Renditen abwerfe. Eine Rückkehr zu einer ausschließlich gesetzlich organisierten Altersvorsorge sei kaum vorstellbar: "Ich glaube tatsächlich, dass der Generationenvertrag - so wie er ursprünglich ausgestaltet war - nicht mehr funktionieren kann", sagte Steiner, die ein mittelständisches Verpackungsunternehmen führt.

Steiner: Arbeitnehmer sollen über Renteneintritt bestimmen

Steiner, Fraktionsvorsitzende der Liberalen in der Bremer Bürgerschaft, schlug ein flexibleres Altersvorsorgesystem vor. Die "stringenten Lebensentwürfe", die für eine existenzsichernde gesetzliche Rente benötigt würden, gebe es kaum noch. Stattdessen sollte ein Arbeitnehmer selbst entscheiden können, wann er rentenreif sei. "Wenn er früher geht, bekommt er dementsprechend weniger, wenn er später geht, dementsprechend mehr", sagte Steiner. Einen einheitlichen Rentensatz lehnte die FDP-Politikerin ab. "Das Äquivalenzprinzip - dass jemand, der mehr einzahlt, nachher auch mehr rausbekommt - finde ich durchaus wichtig und richtig."

Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche - ungeachtet der Rentendiskussion - ein Subventionspaket zur Förderung der Elektromobilität auf den Weg gebracht. Käufer sollen eine Prämie von bis zu 4000 Euro erhalten, wenn sie ein Elektroauto kaufen. Außerdem war beschlossen worden, die Atomindustrie für eine Abschlagszahlung von rund 23 Milliarden Euro von den weiteren Folgekosten des Atomzeitalters zu entbinden.

"Dass der Staat im Grunde genommen die Altersarmut zulässt und sie nicht radikal verändert, auf der anderen Seite aber die Atomindustrie beziehungsweise die Energiewirtschaft unterstützt, ist ein Skandal", kritisierte Rudolf Hickel. Gerade die Prämie für Elektroautos sei eine "Riesenprovokation", meinte der Wirtschaftsprofessor. "Wenn man die Elektroautoindustrie fördern will, dann ist es viel besser, wenn man beispielsweise vernünftige Zapfsäulen aufbaut."


"Das Duell" wird um 23.10 Uhr auf n-tv wiederholt.

Quelle: ntv.de

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