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Flucht, Vertreibung, Krieg Rotes Kreuz sucht nach 100.000 Vermissten

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Von der Zentralen Namenskartei des Internationalen Suchdienstes (ITS) erhoffen sich Angehörige Informationen zu Weltkriegsverschollenen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weltweit steigt die Zahl der Vertriebenen und Geflüchteten, die von ihren Angehörigen gesucht werden. In Deutschland sind die Anfragen auf einem hohen Niveau. Auch die Suche nach Familienmitgliedern, die seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst werden, ist noch nicht vorbei.

Das Rote Kreuz sucht weltweit nach fast 100.000 Flüchtlingen, Vertriebenen und Kriegsopfern. "Das ist die höchste Anzahl an Fällen seit über zehn Jahren", erklärte Martin Schüepp vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Die Dunkelziffer liege aber noch weit höher. Auch in Deutschland werden trotz sinkender Flüchtlingszahlen über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) viele Anfragen nach vermissten Angehörigen gestartet.

Die Präsidentin des DRK, Gerda Hasselfeldt, sprach von 1159 Anfragen allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres - und damit so vielen wie im Vorjahr. Im Jahr 2017 hatte es insgesamt 2744 Suchanfragen gegeben. Hasselfeldt hob in einer Erklärung des DRK hervor, dass für viele Menschen, die durch Kriege, Katastrophen oder Migration von ihren Angehörigen getrennt wurden, der Suchdienst "die letzte Hoffnung" sei. Suchende und Gesuchte stammen laut den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vor allem aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Eritrea. "In fast 50 Prozent der Fälle konnte der DRK-Suchdienst Hilfe leisten", sagte Hasselfeldt.

Als Instrument setzt das Rote Kreuz online eine Suche mit Fotos von Angehörigen ein, die über www.tracetheface.org aufgerufen werden können. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein besonders geschütztes Portal. Dort können Menschen dann Nachrichten mit möglicherweise wichtigen Informationen zu den vermissten Personen hinterlassen. Laut DRK suchten zwischen September 2013 und Juni 2018 international mehr als 21.460 Menschen über das Portal nach ihren Kindern, Eltern oder ihren Männern oder Frauen.

Auch die Suche nach Angehörigen, die seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst werden, ist noch nicht vorbei. Laut DRK gingen allein im ersten Halbjahr dieses Jahres dazu bereits 4747 Anfragen ein, im gesamten Jahr 2017 mehr als 8800. Aufklären konnte der Suchdienst den Angaben zufolge knapp ein Viertel dieser Fälle. "Das Interesse am Schicksal von Millionen Menschen, die durch Zweiten Weltkrieg und Vertreibungen ihre Angehörigen verloren haben, ist ungebrochen hoch", erklärte Hasselfeldt. Viele Familien in Deutschland beschäftige dieses Thema immer noch intensiv.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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