Politik

Opfer war Dissident Russe bei Wien erschossen

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Die Polizei nahm bereits einen Tatverdächtigen fest.

(Foto: picture alliance / Bodo Marks/dp)

Im Eingang einer Baufirma wird nahe Wien ein Mann ermordet, kurz darauf ein Verdächtiger festgenommen. Die Spur führt nach Tschetschenien. Das Opfer war laut Polizei ein Dissident, der auch Verbindungen in die Ukraine hat.

In der Nähe von Wien ist ein Tschetschene auf offener Straße erschossen worden, der mutmaßliche Täter wurde nach Angaben der Polizei bereits festgenommen. Bei ihm handelt es sich demnach um einen Landsmann des Opfers. Am Sonntag meldete ein Gerichtssprecher die Festnahme eines weiteren Tschetschenen. Das Motiv für den Mord ist laut Polizei noch unklar.

Der 43-jährige Dissident war am Samstagabend in Gerasdorf bei Wien (Bezirk Korneuburg) in der Einfahrt zu einer Baufirma erschossen worden. Der Polizei zufolge hatte sich der Mann um Asyl beworben, weitere Details wollte sie aber zunächst nicht nennen. Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen Kritiker der tschetschenischen Regierung namens Martin B.

Das ukrainische Innenministerium sagte, B. habe 2017 in der Ukraine in einem Fall ausgesagt, bei dem es um einen Schusswaffenangriff auf einen Mann ging, der die Ermordung von Kremlchef Wladimir Putin geplant hatte. Der Mann wurde bei dem Angriff in der Nähe von Kiew verletzt und seine Frau getötet. Der festgenommene mutmaßliche Schütze lebt laut Polizei in Österreich. Gegen ihn wurde ebenso wie gegen den weiteren Verdächtigen Untersuchungshaft verhängt.

Der Fall lässt die Besorgnis über die Sicherheit von im Exil lebenden tschetschenischen Dissidenten weiter wachsen. Im Februar hatte der tschetschenische Blogger Tumso Abdurachmanow in seiner Wohnung in Schweden nur mit Mühe den Angriff eines Mannes mit einem Hammer abwehren können. Ein Russe und seine mutmaßliche Komplizin wurden festgenommen. Einen Monat zuvor wurde die Leiche des tschetschenischen Dissidenten Imran Alijew mit 135 Stichwunden in einem Hotelzimmer der nordfranzösischen Stadt Lille gefunden.

In Westeuropa leben viele Emigranten aus der mehrheitlich muslimischen und zu Russland gehörenden Kaukasusrepublik. In den 90er Jahren flüchteten sie vor zwei Kriegen mit Russland, in den vergangenen Jahren verließen viele aber vor allem wegen Machthaber Ramsan Kadyrow ihre Heimat. Der 43-Jährige ist ein Verbündeter des Kreml, laut Menschenrechtsaktivisten hält er sich aber vor allem mit massiven Einschüchterungen von Gegnern, außergerichtlichen Tötungen und Entführungen an der Macht.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa