Politik

Chaotischer Rückzug bei Kiew? Russische Armee gerät bei Iwankiw in Bedrängnis

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Engpass auf der Rückzugsroute der Russen: Iwankiw (Іванків) liegt auf halbem Weg zwischen Kiew und der belarussischen Grenze.

(Foto: Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA))

Bewegung an der Front nordwestlich von Kiew: Berichten zufolge kämpfen sich die Ukrainer bis nach Iwankiw vor. Die Einnahme des Ortes würde russische Einheiten von ihrer Rückzugsroute abschneiden. Sitzt ein Teil von Putins Truppen in der Falle?

Dramatische Entwicklung in der Ukraine: Das russische Militär droht im Großraum Kiew massiv in Bedrängnis zu geraten. Die ukrainischen Verteidiger können bei ihrem Kampf gegen die sich zurückziehenden russischen Einheiten im Nordwesten der ukrainischen Hauptstadt offenbar größere Gebietsgewinne erzielen.

Übereinstimmenden Berichten zufolge soll es dabei zuletzt auch zu Gefechten bei Iwankiw gekommen sein. Die ukrainische Kleinstadt liegt rund 70 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt und ist für die Versorgung der russischen Truppen vor Kiew von entscheidender Bedeutung: Der Ort ist ein strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt am Ufer des Dnepr-Nebenflusses Teteriw.

Sollte Iwankiw fallen, säßen die Reste der russischen Belagerungsarmee vor Kiew in der Falle. Durch Iwankiw führt die wichtigste Rückzugsroute Richtung belarussischer Grenze. Die Flussniederungen des Teteriw sind für schweres Gerät nur an wenigen Stellen passierbar. Von Iwankiw aus lässt sich aber nicht nur einer der wenigen Teteriw-Brücken kontrollieren. Durch die rund 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt führen auch die Nachschubwege für die weiter südlich stehenden russischen Verbände. Anfang März stauten sich hier bei Iwankiw russische Angriffsverbände mit ihren Versorgungskolonnen beim Angriff auf Kiew über Dutzende Kilometer entlang der einzigen befestigten Straßenverbindung.

Wochen später zeichnet sich in der Region eine riesige Kesselschlacht ab: Laut Angaben des ukrainischen Generalstabs wird in einzelnen Vororten Kiews nach wie vor gekämpft. Im jüngsten Lagebericht hieß es, die russischen Invasoren hätten sich zwar aus Hostomel und Irpin zurückgezogen. Die benachbarte Stadt Butscha - rund 20 Kilometer vom Kiewer Stadtzentrum entfernt - werde aber weiterhin von Teilen der russischen Angriffsarmee gehalten. Iwankiw wird im offiziellen Bericht des Generalstabs dagegen bisher nicht erwähnt.

Im Netz kursieren jedoch bereits Aufnahmen, die Kampfhandlungen in der unmittelbaren Umgebung von Iwankiw zu belegen scheinen. Zu sehen sind etwa die zerstörten Überreste eines russischen Konvois an einem Kreisverkehr am nordwestlichen Ortsrand. Hier gabelt sich die Fernstraße von Kiew kommend in Richtung der beiden wichtigsten Grenzübergänge nach Belarus. Der Konvoi soll Berichten zufolge in der Nacht zum 1. April angegriffen worden sein.

Am Tag danach herrscht in Iwankiw trügerische Ruhe: Ukrainische Quellen veröffentlichten Bilder, auf denen feiernde Ukrainer blau-gelbe Flaggen schwenkend vor dem Gebäude der Stadtverwaltung von Iwankiw zu sehen sind. Demzufolge scheint zumindest der Ortskern von Iwankiw nicht mehr unter russischer Kontrolle zu stehen.

Für das russische Militär und die Führung im Kreml hätte der Fall von Iwankiw ernste Konsequenzen: Sollten die Angaben zutreffen, wären womöglich die gesamten Überreste der russischen Offensive auf Kiew in der Region zwischen Iwankiw und Kiew eingekesselt. Vollkommen unklar ist allerdings noch, wie viele russische Soldaten sich in dem rund 50 mal 30 Kilometer großen Gebiet überhaupt noch aufhalten - und wie viel russisches Kriegsgerät womöglich bald schon in ukrainische Hände fallen könnte.

Quelle: ntv.de

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