Politik

Laut britischer Erkenntnisse Russischer Konvoi kommt aus drei Gründen nicht voran

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Derzeit bewegt sich der Konvoi 30 Kilometer vor Kiew offenbar kaum vorwärts.

(Foto: AP)

Nicht nur logistische Probleme bremsen offenbar den rund 60 Kilometer langen russischen Militärkonvoi auf dem Weg in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Das britische Verteidigungsministerium macht drei Ursachen für den weitgehenden Stillstand aus. Eine Entspannung folgt daraus aber nicht.

Auf Satellitenbildern ist der russische Militärkonvoi gut zu erkennen, der sich aus nördlicher Richtung Kiew nähert. Allerdings bewegt sich die rund 60 Kilometer lange Fahrzeugschlange seit drei Tagen offenbar kaum vorwärts. Der weitgehende Stillstand resultiert den britischen Erkenntnissen zufolge aus "entschiedenem ukrainischen Widerstand, technischen Problemen und Stau", so eine Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums.

"Der Hauptteil der großen russischen Kolonne, die auf Kiew vorrückt, ist weiterhin mehr als 30 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt", heißt es in einer Erklärung des Ministeriums, das sich auf Geheimdienstinformationen beruft. "Die Kolonne hat in über drei Tagen kaum erkennbare Fortschritte gemacht."

Der Militärkonvoi wird der zweiten Welle des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zugerechnet, sagte Sven Bernhard Gareis im Interview mit ntv.de. "Der Konvoi bringt Nachschub an Großgerät, Treibstoff und an Munition", so der Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Internationale Sicherheitspolitik. Dies sei "eine ganz wichtige Aufgabe in einem solchen Angriffskrieg" - allerdings lässt sich das schleppende Vorankommen auch als Hinweis auf logistische Mängel auf russischer Seite deuten.

"Die schlechte Planung und Führung auf russischer Seite haben natürlich den bisherigen ukrainischen Widerstand begünstigt", so Gareis weiter. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium sprach jüngst von Hinweisen darauf, dass es sogar gezielte Manipulation russischer Soldaten am eigenen Kriegsgerät gibt, um nicht in den Kampf ziehen zu müssen. Der Politikwissenschaftler Gareis wiederum sagte, viele russische Soldaten hätten zunächst gar nicht gewusst, dass sie in den Krieg geschickt werden.

Britischer Verteidigungsminister sieht Eskalation kommen

Aus Kiew, dem Ziel des Konvois, berichtet Bürgermeister Vitali Klitschko, die Lage sei zwar "schwierig, aber unter Kontrolle", und schreibt: "Der Feind versucht, in die Hauptstadt durchzubrechen." Dort hält sich auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf, dessen Entmachtung eines der wichtigsten Ziele der russischen Invasion ist. An seiner Stelle soll eine Moskau-treue Regierung installiert werden. Am gestrigen Mittwoch berichteten ukrainische Sicherheitsbehörden, ein Attentat auf Selenskyj erfolgreich verhindert zu haben. Demnach seien tschetschenische Elitesoldaten im Auftrag von Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Jagd nach dem Regierungschef.

Selenskyj zeigte sich dennoch weiterhin nicht bereit, den russischen Angriffen nachzugeben. "Ihr werdet uns alles ersetzen, was ihr der Ukraine angetan habt. In vollem Umfang", sagte er in einer heute veröffentlichen Videobotschaft. "Die Ukraine erhält jeden Tag Waffen von unseren Partnern. Von echten Freunden. Jeden Tag mehr und mächtigere Waffen." In der Nacht zum Donnerstag bestätigten ukrainische Behörden dennoch die Einnahme der ersten Großstadt durch die russische Armee, der Hafenstadt Cherson im Süden der Ukraine.

Dem britischen Verteidigungsminister Ben Wallace zufolge steigt derweil die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Eskalation. Russland habe in der Ukraine sogenannte thermobarische Waffensysteme in Stellung gebracht. Welche Art von Angriffen Putin anweisen werde, "um sein ultimatives Ziel zu erreichen, ist nicht bekannt", sagt Wallace während eines Besuchs in Estland. Thermobarische Waffen, umgangssprachlich auch Vakuumbomben genannt, können besonders verheerende Zerstörungen anrichten. Im rund 60 Kilometer langen Militärkonvoi ist auf den Luftbildern neben Versorgungs- und Tankfahrzeugen auch Artillerie zu erkennen. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte laut AFP nach einem Telefonat mit Putin, der Ukraine stehe das Schlimmste noch bevor.

Quelle: ntv.de, tsi

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