Politik

Sumpfzone gegen russische Panzer Ukrainer fluten Frontabschnitt bei Kiew

Im Kampf gegen die russischen Truppen ergreifen die Ukrainer ebenso ungewöhnliche wie effektive Maßnahmen: Im Großraum Kiew öffnen die Verteidiger Sperrwehre am Dnepr - und bringen so russische Kampfpanzer in Bedrängnis. Bilder aus dem All zeigen die Wirkung.

Kreative Ansätze bei der Verteidigung der ukrainischen Hauptstadt: Im Nordwesten der Millionenmetropole Kiew haben geöffnete Sperrwerke an der Mündung des Dnepr-Nebenflusses Irpin großflächige Überschwemmungen ausgelöst, wie aktuelle Satellitenbilder aus dem Kriegsgebiet zeigen.

Durch den Rückstau des mächtigen Dnepr-Staudamms nördlich von Kiew drückt Wasser aus dem auch Kiewer Meer genannten Stausee bei der Ortschaft Kosarowytschі durch die geöffneten Wehre in die sumpfigen Flussniederungen. Das offenbar planmäßige Vorgehen schafft in den sumpfigen Flussniederungen rund 30 Kilometer vor dem Kiewer Stadtzentrum ein natürliches Bollwerk zur Abwehr der russischen Truppen.

Die gefluteten Talauen engen den Spielraum der russischen Invasionsarmee an der Front vor Kiew massiv ein. Schweres Kriegsgerät muss sich in der Region auf feste Straßen zurückziehen. Die wenigen befestigten Flussübergänge stehen unter sporadischem Beschuss der ukrainischen Verteidiger. Das sich aufstauende Wasser wird zum natürlichen Hindernis: Der Flusslauf des Irpin zieht sich von der Mündung in den Dnepr wie ein Sperrriegel Richtung Südwesten. Nicht zufällig kamen die russischen Angriffe auf Kiew hier zum Halten: Das Irpin-Tal markiert seit Wochen an mehreren Abschnitten den Frontverlauf zwischen russischen Panzerspitzen und ukrainischen Verteidigungsstellungen.

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Blick aus dem All auf die Mündung des Irpin in den Dnepr-Stausee (oben): Der Ort Kosarowytschi ist links oben erkennbar. (Aufnahme vom 28. Februar 2022)

(Foto: Satellite Imagery © Maxar Technologies Provided by European Space Imaging)

Nahe der Kiewer Stadtgrenze trennen die Irpin-Niederungen auch die heftig umkämpften Vorstädte Hostomel und Horenka sowie weiter südwestlich auch bereits die großflächig zerstörten Trabantenstädte Butscha und die nach dem Fluss benannte Stadt Irpin. Durch die gezielte Flutung ist ein fast 50 Kilometer langes Bollwerk entstanden, das nicht nur die tonnenschweren russischen Kampfpanzer aufhält, sondern den Spielraum der russischen Angriffsplanungen insgesamt einengt.

Mehrere Versuche der Russen, den Fluss Irpin mit militärischen Behelfsbrücken zu überwinden, sind bereits gescheitert. Die Irpin-Auen könnten sich für die Verteidiger von Kiew als rettende Linie erweisen. Selbst im Fall eines weiteren Vorstoßes der russischen Verbände auf Kiew wäre der natürliche Engpass noch von großem Nutzen: Die Angreifer sind auf einen steten Strom an Nachschub angewiesen.

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Geflutete Flächen, hier in einer aktuellen Aufnahme vom 22. März: Ein unüberwindliches Hindernis für russische Truppen.

(Foto: Satellite Imagery © Maxar Technologies Provided by European Space Imaging)

Munition, Lebensmittel und Ersatzteile reichen bei den kämpfenden Einheiten nur für wenige Tage. Länger dauernde Operationen benötigen stabile und sichere Versorgungslinien. Bei einem Großangriff auf Kiew müssten russische Versorgungskolonnen jedoch zwangsläufig auch den Irpin überwinden.

Früheren Angaben aus dem ukrainischen Generalstab zufolge laufen bereits ukrainische Gegenangriffe, um russische Einheiten aus den Dörfern rund um Kiew zurückzudrängen. Insgesamt sei die Situation in der Region Kiew schwierig, aber "kontrollierbar", wie ein hochrangiger Sprecher des ukrainischen Militärs erklärte. Es sei nicht einfach, Prognosen abzugeben. Am stärksten gefährdet seien weiter die Straße in die westliche Großstadt Schytomyr sowie die nah an der Kiewer Stadtgrenze liegenden Orte Butscha, Hostomel und Irpin nordwestlich der Hauptstadt.

Quelle: ntv.de

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