Politik

Zahlung für Mai stehe aus Russische Firma kappt Strom für Finnland

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Die Energie aus Russland macht dem finnischen Netzbetreibers Fingrid zufolge rund zehn Prozent des gesamten Verbrauchs aus (Symboldbild).

(Foto: picture alliance / Rainer Keuenhof)

Den gestrigen Schritt der finnischen Staatsführung hin zur NATO nimmt Russland als Bedrohung wahr. Noch am Abend wird über eine Einstellung von Gaslieferungen spekuliert. Nun stellt ein russisches Energieunternehmen seine Stromlieferungen ein. Grund sei eine nicht geleistete Zahlung.

Inmitten der Spannungen wegen eines möglichen NATO-Beitritts Finnlands stellt ein bedeutendes russisches Stromunternehmen seine Stromlieferungen in das Nachbarland ein. Das Energieunternehmen RAO Nordic Oy teilte diese Entscheidung mit. Das in Helsinki ansässige Tochterunternehmen des russischen Konzerns InterRAO erklärte, es habe für im Mai verkaufte Strommengen noch keine Zahlung erhalten. Es könne daher die Rechnungen für die Stromimporte nicht begleichen.

"Diese Situation ist außergewöhnlich und zum ersten Mal in unserer über zwanzigjährigen Handelsgeschichte eingetreten", erklärte das Unternehmen weiter. Es hoffe, dass sich die Lage "bald" bessere und der Handel wieder aufgenommen werden könne.

Nach Angaben des finnischen Netzbetreibers Fingrid sollen die Stromlieferungen ab Samstag um 1 Uhr (Ortszeit) bis auf weiteres eingestellt werden. Grund sei, dass über die Energiebörse Nord Pool seit dem 6. Mai keine Zahlungen bei der russischen Firma eingegangen seien, teilt Fingrid unter Verweis auf die Erklärung von Inter RAO mit. Fingrid sei nicht für die Zahlungen zuständig und betonte, dass die Stromversorgung in Finnland nicht gefährdet sei. Die Energie aus Russland mache rund zehn Prozent des gesamten Verbrauchs aus und könne durch Importe aus Schweden und zum Teil durch heimische Stromerzeugung ausgeglichen werden.

Russland fühlt sich bedroht

Die finnische Staatsspitze hatte am Donnerstag erklärt, Finnland solle angesichts des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine "unverzüglich" einen Antrag auf Beitritt zur NATO stellen. Nach Jahrzehnten der militärischen Bündnisneutralität ist dies für Helsinki ein grundsätzlicher verteidigungspolitischer Richtungswechsel.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte daraufhin, Russland würde eine finnische Mitgliedschaft in dem westlichen Militärbündnis "definitiv" als Bedrohung ansehen. Das russische Außenministerium erklärte, Moskau sehe sich gezwungen, darauf "militärisch-technisch und auf andere Weise" zu reagieren.

Danach war noch am selben Abend über eine Einstellung von Gaslieferungen spekuliert worden. Hochrangige finnische Politiker waren einer Zeitung zufolge nach dem Schritt hin zur NATO davon informiert worden, dass Russland die Erdgasversorgung am heutigen Freitag unterbrechen könnte. Die Zeitung "Iltalehti" berief sich auf nicht weiter genannte Quellen. Zwar stammt der größte Teil des in Finnland verbrauchten Erdgases aus dem Nachbarland. Allerdings trägt Gas nur fünf Prozent zum finnischen Energiemix bei.

Quelle: ntv.de, mpe/AFP/rts

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