Politik

Produktion von Kernbrennstoff Russisches Uran in Lingen angekommen

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Werkstor der Brennelementefabrik in Lingen. Dort befindet sich auch eines der drei Atomkraftwerke, die noch am Netz sind.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit dem Angriff auf die Ukraine stellt die EU ihre Handelsbeziehungen mit Russland weitgehend ein. Doch genauso wie Erdgas bleiben Kernbrennstoffe von Sanktionen verschont. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bestätigt nun die Ankunft einer weiteren russischen Lieferung.

Inmitten des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Ende September ein Uran-Transport aus Russland die Brennelementefabrik in Lingen im Emsland erreicht. Das geht aus im Internet veröffentlichten Daten des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hervor. Demnach wurde am 28. und 29. September angereichertes Uranhexafluorid nach Lingen transportiert.

Ein Sprecher der Behörde bestätigte die Lieferung auf Nachfrage. Weitere Angaben macht das Bundesamt nicht. Grundlage für den Transport waren Genehmigungen aus dem Jahr 2021. Für Kernbrennstoffe gibt es ebenso wie für Gas auf der EU-Ebene kein Einfuhrverbot aus Russland.

Atomkraftgegner im Emsland hatten die Lieferungen Anfang September erwartet, dagegen protestiert und einen sofortigen Stopp der Uranimporte aus Russland gefordert. Über den genauen Verlauf des Transportes machten die Behörden damals kaum Angaben. Das Bündnis Atomkraftgegner_innen im Emsland (AgiEL) verlangt von der Bundesregierung, die Brennelementefabrik im Emsland stillzulegen.

Brennelemente für Europa

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Zuletzt wurde am 18. Januar Uran aus Russland nach Lingen geliefert, also gut einen Monat vor Kriegsbeginn am 24. Februar. In der dortigen Anlage des französischen Unternehmens Framatome werden seit mehr als 40 Jahren Brennelemente für die nukleare Stromerzeugung in Europa hergestellt. Die Fabrik beliefert unter anderem Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Schweden und Finnland.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte zuletzt von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht und angeordnet, dass die verbleibenden drei deutschen Atomkraftwerke bis maximal zum 15. April 2023 weiterlaufen können. Das Machtwort war nötig geworden, weil sich Grüne und FDP im regierungsinternen Streit um den Weiterbetrieb der deutschen Meiler nicht einigen konnten. Gleichzeitig schloss Scholz den Kauf neuer Brennstäbe aus.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 27. Oktober 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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