Politik

Leopard-Lieferung an Ukraine Russischer Botschafter: Panzer-Zusage "extrem gefährlich"

Für Moskau ist die Sache klar: Deutschland und seine Verbündeten streben keine diplomatische Lösung an, sondern eskalieren den Krieg in der Ukraine immer weiter. Jüngstes Indiz aus dieser Perspektive: die zugesagte Lieferung von Kampfpanzern. Botschafter Netschajew zieht einen historischen Vergleich.

Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hat die Entscheidung der Bundesregierung zur Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an die Ukraine als "extrem gefährlich" bezeichnet. Dies werde "den Konflikt auf eine neue Ebene der Konfrontation führen", erklärte Netschajew bei Telegram. Der Westen befinde sich in einer Logik der "permanenten Eskalation".

"Dies überzeugt uns einmal mehr davon, dass Deutschland, wie auch seine engsten Verbündeten, keine diplomatische Lösung für die Ukraine-Krise will und eine dauerhafte Eskalation anstrebt", hieß es in der Mitteilung des Botschafters weiter. "Mit der Genehmigung der deutschen Regierung werden wieder einmal Panzer mit deutschen Kreuzen an die 'Ostfront' geschickt, was unweigerlich zum Tod von russischen Soldaten, aber auch von Zivilisten führen wird", erklärte Netschajew. Der Botschafter warf Berlin vor, mit dieser Entscheidung seiner historischen Verantwortung für die Nazi-Verbrechen nicht gerecht zu werden.

"Wenn deutsche Panzer geliefert werden, gehen in Russland die Emotionen hoch, ganz klar", hatte auch der Militärexperte Markus Reisner im Interview mit ntv.de gesagt. "Da wird in den sozialen Netzwerken quasi 'Kopfgeld' ausgelobt - eine Belohnung für den Soldaten, der den ersten deutschen Panzer zerschießt." In der russischen Propaganda spiele diese Lesart eine Rolle. Das sei auch schon bei der Lieferung der Panzerhaubitze 2000 so gewesen. "Das schwingt immer mit in diesem Krieg, der ja auch ein Informationskrieg ist."

Der Kreml kündigte unterdessen bereits die Zerstörung westlicher Panzer an, sollten diese an die Ukraine geliefert werden. "Diese Panzer werden wie alle anderen brennen. Sie sind nur sehr teuer", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Er sprach von einem aus technischer Sicht "gescheiterten Plan". "Das Potenzial, das die ukrainische Armee dadurch erhält, wird überschätzt."

Erste Lieferung in drei Monaten

Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte am Vormittag die Lieferung von zunächst 14 Leopard-Panzern aus Beständen der Bundeswehr an die Ukraine an. Das sei ein "erster Schritt", teilte der SPD-Politiker nach Angaben seines Sprechers in einer Kabinettssitzung in Berlin mit. Ziel sei es, zusammen mit Lieferungen von Partnerländern "rasch zwei Panzer-Bataillone mit Leopard-2-Panzern für die Ukraine zusammenzustellen".

Die Entscheidung sei "das Ergebnis intensiver Beratungen, die mit Deutschlands engsten europäischen und internationalen Partnern stattgefunden haben", hieß es in der Mitteilung. "Diese Entscheidung folgt unserer bekannten Linie, die Ukraine nach Kräften zu unterstützen", sagte demnach Scholz, dem in der Frage sowohl im In- als auch im Ausland ein zu zögerliches Vorgehen vorgeworfen worden war. "Wir handeln international eng abgestimmt und koordiniert". Nach Medieninformationen wollen nun auch die USA Kampfpanzer vom Typ Abrams an die Ukraine liefern.

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Die ersten Leopard-Kampfpanzer aus Deutschland könnten nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in etwa drei Monaten in der Ukraine sein. Das sagte der SPD-Politiker nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestags. Man beginne jetzt sehr schnell mit der Ausbildung und werde sehr schnell die Nachschubwege klären.

Pistorius nannte die Entscheidung zur Lieferung der Panzer "historisch", weil diese abgestimmt passiere, in einer "höchst brisanten Lage in der Ukraine". Er sagte aber auch: "Das ist kein Grund zum Jubeln", er habe großes Verständnis für diejenigen, die sich Sorgen machten. "Aber klar ist, Kriegspartei werden wir nicht, dafür werden wir sorgen."

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

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