Politik

Ukrainische Erfolge in Cherson Russischer Nationalist: "Der Rückzug geht weiter"

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Russische Reservisten bei einer Truppenübung (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Russland annektiert die südukrainische Region Cherson durch ein Pseudo-Referendum. Doch militärisch kontrolliert es das Gebiet nur teilweise. Der Ukraine gelingen dort weitere Vorstöße. Im Norden der Region ziehen sich die Truppen des Kremls wohl aus Angst vor einer Einkesselung zurück.

Die ukrainische Armee meldet die Befreiung weiterer Ortschaften von russischen Truppen in der Südukraine. Der Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, schrieb beim Nachrichtendienst Telegram von fünf Orten, die zurückerobert worden seien. In sozialen Netzwerken kursierten Vdeos aus dem lang umkämpften Dorf Dawydiw Brid und den Ortschaften Welyka Olexandriwka und Starossillja am Fluss Inhulez. Zudem sollen ukrainische Einheiten in Dudtschany am Fluss Dnipro eingerückt sein.

Von einem Rückzug berichtet auch der russische Nationalist Igor Girkin auf Telegram: Die wichtige Siedlung Dawydiw Brid, um die zwei Monate lang erbittert gekämpft worden sei, und "eine Reihe anderer größerer Dörfer in der Umgebung wurden zurückgelassen. Der Rückzug geht weiter." Offizielle Bestätigungen von russischer Seite gibt es bislang nicht.

Wie Reuters-Korrespondent Felix Light twitterte, habe der russische Kriegsblog Rybar von einem "allgemeinen Rückzug" russischer Truppen im Norden von Cherson berichtet. Dabei zögen sich Russen - offenbar aus Angst vor einer Einkesselung - von Positionen zurück, die sie seit März besetzt hielten. Rybar selbst schrieb auf Telegram von einer "Umgruppierung" und dem Beschluss, das Kontingent der russischen Streitkräfte "auf eine neue Verteidigungslinie zurückzuziehen".

Schlappe für russische Elitetruppen

Russland ist am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert und hat inzwischen vier Gebiete in der Süd- und Ostukraine offiziell annektiert. Doch kontrolliert es diese Gebiete nur zum Teil und muss sich nach erfolgreichen ukrainischen Gegenschlägen immer weiter zurückziehen.

Auch nach Angaben des US-Thinktanks "Institute for the Study of War" (ISW) können ukrainische Truppen in den vergangenen Tagen mehrere Erfolge in Cherson verbuchen. Dabei beruft sich das Institut auf russische und ukrainische Quellen.

Demnach setzte Russland in Cherson unter anderem Elitetruppen wie die 76. Garde-Luftsturm-Division der Luftlandetruppen ein. Die Tatsache, dass diese gut ausgebildeten Streitkräfte offenbar nicht imstande sind, die ukrainischen Gegenangriffe in Cherson abzuwehren, sieht der Thinktank als Zeichen dafür, dass sogar elitäre Truppen des Kremls im Verlauf des Krieges immer weiter geschwächt werden.

Situation am Dnipro könnte eskalieren

Für russische Truppen bestehe die Gefahr, die Kontrolle über strategisch wichtige Städte in Cherson zu verlieren, berichtet der "Guardian", wobei er sich auf Angaben westlicher Regierungsvertreter bezieht. Demnach müsste die Armee des Kremls sich aus der Stadt Cherson und eventuell sogar aus Teilen der Krim zurückziehen, falls ukrainische Truppen weiter vordringen.

Gleichzeitig warnen diese Regierungsvertreter davor, dass sich die Kämpfe rund um den Fluss Dnipro kompliziert gestalten könnten. Dabei drohe sich die Situation in der Südukraine zu verschärfen, da russische Streitkräfte am Fluss weiter in die Enge gedrängt werden. Eine Eskalation sei in diesem Fall nicht ausgeschlossen, da es für die russische Regierung keinen politischen Spielraum gäbe, um die Truppen aus Cherson zurückzuziehen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 04. Oktober 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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