Politik

Russland-Ukraine-Krieg Mehrheit hält Deutschland für konzeptlos

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Weite Teile der Stadt Mariupol sind von russischen Angriffen zerstört worden.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Fast drei Viertel der Deutschen sind der Meinung, die Bundesregierung habe kein Konzept für die weitere Ausrichtung ihrer Russlandpolitik. Einen "Sieg" der Ukraine halten die meisten für unwahrscheinlich.

Die Unterstützer der Lieferungen von schweren Waffen an die Ukraine sind in Deutschland weiterhin in der Mehrheit. Die Entscheidung der Bundesregierung, die Ukraine zusätzlich zu unter anderem 1000 Panzerabwehrwaffen und 500 Boden-Luft-Raketen auch noch mit der Panzerhaubitze 2000, dem Flugabwehrpanzer Gepard und modernen Flugabwehrraketen zu unterstützen, halten 56 Prozent der Bundesbürger für richtig. In der Vorwoche waren es 58 Prozent. Die Gruppe der Kritiker dieser Politik wächst allerdings - von 36 Prozent in der Vorwoche auf 40 Prozent im aktuellen Trendbarometer von RTL und ntv.

Die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa weist unter den Westdeutschen eine Mehrheitsmeinung für schwere Waffen aus (59 Prozent). Im Osten Deutschlands sind die Befürworter hingegen in der Minderheit (37 Prozent). Hier halten 58 Prozent der Befragten diese Politik für falsch.

Am deutlichsten plädieren die Anhänger der Grünen (76 Prozent) und diejenigen, die glauben, die Ukraine könne Russland wieder aus den besetzten Gebieten verdrängen (81 Prozent), für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Doch auch von denjenigen, die der Ukraine keine Chance zurechnen, die besetzten Gebiete zurückzuholen, unterstützen 45 Prozent die Lieferung schwerer Waffen. 51 Prozent dieser Befragten halten die Lieferungen für falsch.

Auch von den Anhängern von SPD (59 Prozent), Union (64 Prozent) und FDP (60 Prozent) sprechen sich jeweils deutliche Mehrheiten für die Lieferung schwerer Waffen aus. Nur bei den Anhängern der AfD plädiert eine noch größere Mehrheit (81 Prozent) gegen schwere Waffen aus Deutschland.

Wenige glauben an einen "Sieg" der Ukraine

Unverändert 26 Prozent der Bundesbürger glauben, dass die Ukraine Russland wieder aus den besetzten Gebieten verdrängen kann, wenn der Westen und Deutschland genug Waffen an die Ukraine liefern. Weiterhin gut zwei Drittel der Bundesbürger (69 Prozent) glauben das nicht.

Vergleichsweise am häufigsten gehen die Befürworter der Lieferung schwerer Waffen davon aus, dass die Ukraine Russland wieder aus den besetzten Gebieten verdrängen kann. Allerdings glaubt auch in dieser Gruppe eine Mehrheit (56 Prozent) nicht an einen militärischen "Sieg" der Ukraine.

47 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass die Ukraine zu Zugeständnissen bereit sein und auf Gebiete in der Ostukraine verzichten sollte, wenn es irgendwann zu Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges kommen sollte. Ähnlich viele (41 Prozent) meinen, die Ukraine sollte solche Kompromisse nicht eingehen. 12 Prozent trauen sich in dieser Frage keine Einschätzung zu.

Nur 15 Prozent der Bundesbürger glauben, dass die Bundesregierung über die Entscheidung von Waffenlieferungen hinaus durchdachte Konzepte und Strategien für die langfristige Ausrichtung der deutschen Außenpolitik gegenüber Russland und der Ukraine nach einem Ende des Krieges hat. Fast drei Viertel (73 Prozent) sind dagegen der Meinung, die Bundesregierung habe keine klaren Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung der deutschen Außenpolitik gegenüber beiden Ländern. Dieser Eindruck wird jeweils von einer großen Mehrheit in allen Bevölkerungs- und Wählergruppen geteilt.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland am 1. und 4. Juli 2022 erhoben. Datenbasis: 1001 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.

Weitere Informationen zu Forsa
Forsa-Umfragen im Auftrag von RTL Deutschland

Quelle: ntv.de, fni

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