Politik

Pass abgenommen und an die FrontRussland lockt offenbar Hunderte Peruaner mit Fake-Jobs in den Krieg

03.05.2026, 19:33 Uhr
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Berichten zufolge wurden den Peruaner die Pässe abgenommen und sie wurden nach einer kurzen Vorbereitung in das Kriegsgebiet geschickt. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Mit falschen Jobversprechen nach Russland, dann aber direkt an die Front: Hunderte Peruaner wurden offenbar als Soldaten in den Krieg gegen die Ukraine gezwungen. Mindestens 13 von ihnen sollen bereits tot sein, mehr als 130 vermisst. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Peru wegen Menschenhandels.

In Peru hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem Hunderte Peruaner offenbar mit falschen Versprechungen nach Russland gelockt und dort zum Kriegsdienst gezwungen wurden. Die Ermittlungen übernahm eine auf Menschenhandel spezialisierte Einheit.

Seit Oktober 2025 sind Berichten peruanischer Medien zufolge rund 600 Peruaner nach Russland gereist. Anwalt Percy Salinas, der mehrere Betroffene vertritt, sprach im Sender Canal N von mindestens 13 Todesopfern. Sein Anwaltskollege Marcelo Tataje spricht von 135 Vermisstenanzeigen und weiteren 250 möglichen Vermisstenfällen.

Die Betroffenen wurden laut den Anwälten und Angehörigen mit lukrativen Jobangeboten nach Russland gelockt - als Wachleute, Köche, Ingenieure oder Taxifahrer, angeblich weit weg von der Front. Versprochen wurden demnach Gehälter von umgerechnet 2200 bis 3400 Euro pro Monat sowie ein Willkommensbonus von 17.000 Euro - Summen, die ein Vielfaches des Durchschnittslohns in Peru betragen. Das Geld sahen die meisten Berichten zufolge jedoch nie. Rekrutiert wurden die Peruaner demnach über eine in Kolumbien registrierte Organisation.

Laut einem Bericht der peruanischen Zeitung "La Republica" mussten die Männer vor der Abreise Dokumente auf Russisch unterschreiben. In Russland angekommen, wurden ihnen dem Bericht zufolge die Pässe abgenommen, sie wurden zu einer kurzen Militärausbildung und anschließend an die Front geschickt. Einem Bericht des Senders RPP zufolge gelang es einem Peruaner, die Front zu verlassen und das Konsulat in Moskau aufzusuchen - dort wurde ihm allerdings lediglich geraten, in seine Einheit zurückzukehren, die Unterzeichnung des Vertrags zu verweigern und seinen Pass zurückzuverlangen. Laut RPP fehlt von ihm seitdem jede Spur.  

Salinas sprach außerdem von einer Gruppe von 13 Peruanern, die in einem Schützengraben unter Dauerbeschuss ausharren und um Evakuierung bitten. Insgesamt baten die Familien von 130 Betroffenen das Außenministerium in Lima um Hilfe.

Das peruanische Außenministerium bestellte den Geschäftsträger der russischen Botschaft ein und forderte Auskunft über den Verbleib der Staatsbürger. Die russische Botschaft in Lima erklärte daraufhin in einer Mitteilung, man respektiere die Entscheidung ausländischer Bürger, "sich an der Verteidigung der Souveränität" Russlands zu beteiligen und sei bereit, auf formelle Anfragen zu reagieren.

Quelle: ntv.de, uzh

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