Politik

Auch 24 Seeleute bald frei? Russland tauscht Gefangene mit der Ukraine

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Moskau und Kiew hatten auf Initiative des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seit Ende Juli über den Austausch verhandelt.

(Foto: REUTERS)

Im November nimmt Russland 24 ukrainische Seeleute vor der Krim gefangen. Bei einem Gefangenenaustausch zwischen beiden Ländern könnten sie laut ihrem Anwalt nun ebenfalls freikommen. Auch der bekannteste ukrainische Gefangene in Russland ist wohl dabei.

Russland und die Ukraine haben mit einem großen Austausch von Gefangenen begonnen. Ein Flugzeug mit den Inhaftieren, darunter wohl auch alle 24 ukrainischen Seeleute, verließ am Samstag den Moskauer Flughafen Wnukowo, wie die Agentur Interfax meldete. Parallel dazu startete auch in Kiew eine russische Maschine mit Gefangenen, wie das ukrainische Fernsehen zeigte. Laut Regierungskreisen aus Kiew sollen insgesamt 70 Gefangene ausgetauscht werden.

Zuvor hatte der staatliche russische Fernsehsender Rossija 24 berichtet, in Vorbereitung des Gefangenenaustauschs hätten Busse mit Häftlingen das Moskauer Lefortowo-Gefängnis verlassen. Auch Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP sahen, wie zwei Busse mit getönten Scheiben begleitet von einer Polizeieskorte das Hochsicherheitsgefängnis verließen.

Moskau und Kiew hatten auf Initiative des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seit Ende Juli über den Austausch von Gefangenen zur Entspannung der beiderseitigen Beziehungen verhandelt. Am Donnerstag hatte Russlands Staatschef Wladimir Putin sich erstmals öffentlich direkt zu dem Gefangenenaustausch geäußert. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, sagte er. Geplant sei ein großangelegter Austausch, der "ein großer Schritt hin zur Normalisierung" der russischen Beziehungen zur Ukraine bedeute.

Verhandlungen zogen sich über Wochen

Die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew sind seit Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 äußerst angespannt. Russischen und ukrainischen Medien zufolge verhandelten beide Seiten seit Wochen über den Austausch von jeweils rund 30 Gefangenen.

Davon hat nun wohl auch der ukrainische Regisseur Oleg Senzow profitiert. Laut Regierungskreisen soll er unter den Gefangenen sein, die freigelassen wurden. Der 43-jährige Filmemacher ist der bekannteste politische Gefangene aus der Ukraine. Er war 2014 festgenommen worden und verbüßte in einer Strafkolonie im russischen Teil der Arktis eine 20-jährige Haftstrafe wegen "terroristischer Angriffe" auf der annektierten Krim-Halbinsel.

Die ukrainische Justiz hatte vergangene Woche angeordnet, den russisch-ukrainischen Journalisten Kirilo Wyschinski unter Auflagen freizulassen. Er hatte wegen des Vorwurfs des "Hochverrats" mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft in der Ukraine zugebracht.

Am Donnerstag ordnete ein ukrainisches Gericht überdies unter Auflagen die Freilassung von Wladimir Zemach an. Er soll für die Luftabwehr der prorussischen Separatisten in Donezk zuständig und am Abschuss der Passagiermaschine des Flugs MH17 über der Ostukraine beteiligt gewesen sein.

Quelle: ntv.de, aeh/AFP/dpa