Politik

Lawrow telefoniert mit Pompeo Russland und USA streiten über Venezuela

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Tauschten sich telefonisch aus: Außenminister Lawrow (links) und Pompeo.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die einen unterstützen Machthaber Maduro, die anderen wollen einen Wechsel an der Spitze Venezuelas: Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington werden durch die aktuellen Spannungen in Lateinamerika weiter belastet. Die Fronten sind verhärtet.

Die Zuspitzung der Lage in Venezuela führt auch zum Streit zwischen den USA und Russland. US-Außenminister Mike Pompeo forderte nach Angaben seines Hauses in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow ein Ende der russischen Unterstützung für den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Die "Intervention" Russlands und Kubas in den Konflikt berge das Risiko einer Destabilisierung Venezuelas und belaste die Beziehungen zwischen Russland und den USA.

Lawrow indes erklärte, weitere "aggressive Schritte" in Venezuela könnten gravierende Konsequenzen zur Folge haben. Russland hatte zuvor US-Angaben dementiert, es habe Maduro überredet, nicht aus Venezuela zu fliehen. Am Dienstag waren bei Protesten im Land mehr als 100 Menschen verletzt worden.

Pompeo sagte dem Sender Fox Business, die USA seien vorbereitet, militärisch in Venezuela tätig zu werden. "Ein militärisches Eingreifen ist möglich. Wenn es das ist, was erforderlich ist, werden es die USA tun." Die Vereinigten Staaten bevorzugten aber einen friedlichen Machtübergang. US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan sagte wegen der Lage in Venezuela eine geplante Reise nach Europa ab. So könne er sich besser mit Präsident Donald Trump abstimmen, teilte das Pentagon mit.

In Venezuela will der von den USA und anderen Ländern unterstützte Oppositionsführer Juan Guaidó Maduro aus dem Amt drängen. Dazu versucht er, das Militär auf seine Seite zu ziehen. Für den heutigen Mittwoch stellte Guaido den "größten Aufmarsch" in der Geschichte des krisengeplagten Landes in Aussicht. "Heute geht es weiter", twitterte er. In Caracas kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Nationalgarde setzte bei Unruhen im Osten der Stadt Tränengas gegen die Demonstranten ein. Die Guaidó-Anhänger hatten demnach versucht, eine Schnellstraße zu blockieren.

Machterhalt Maduros schien nicht gefährdet

"Ab morgen beginnen wir mit gestaffelten Streiks bis hin zu einem Generalstreik", sagte der Oppositionsführer bei einer Kundgebung. "Das Ende der unrechtmäßigen Machtübernahme ist nah." Guaidó rief seine Anhänger dazu auf, durchzuhalten und bei den Protesten gegen die Regierung nicht nachzulassen. "Wenn das Regime glaubt, wir hätten bereits den maximalen Druck erreicht, dann täuscht es sich", sagte er. "Unsere Opfer waren nicht umsonst. Wir erobern uns Räume zurück und bleiben auf der Straße, bis wir die Freiheit für Venezuela erlangt haben."

Am Dienstag hatte Guaidó mit einem Aufruf zum Militärputsch und der "Operation Freiheit" versucht, den seit Wochen andauernden Machtkampf für sich zu entscheiden. Dutzende Soldaten hatten sich ihm vor einem Luftwaffenstützpunkt nahe der Hauptstadt Caracas angeschlossen und sich Schusswechsel mit Maduro treuen Militärs geliefert. In der Hauptstadt selbst kam es ebenfalls zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Der Machterhalt Maduros, der außer von Russland auch von China unterstützt wird, schien zunächst aber nicht gefährdet.

Venezuela ist unter Maduros linker Regierung in den vergangenen Jahren tief in eine Wirtschaftskrise geraten. Das Land leidet unter einer Inflation von 200.000 Prozent und einem Mangel an Grundnahrungsmitteln und Medikamenten. Die schwierige Lage hat zu einer Massenflucht in Nachbarländer geführt.

Maduro macht dafür einen von den USA angeführten Wirtschaftskrieg verantwortlich, der einen Umsturz zum Ziel habe. Die USA haben seit 2017 mehrfach Sanktionen gegen Venezuela verhängt. Kritiker sehen als Gründe für den Abschwung aber auch Inkompetenz von Maduros Regierung, nicht funktionierende Währungskontrollen sowie Korruption.

Quelle: n-tv.de, fzö/rts/AFP/dpa