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60 Angriffe seit Mittwoch Russland will mehr Angriffe in Syrien fliegen

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Russland hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 50 Ziele in Syrien angegriffen.

(Foto: REUTERS)

Nach vier Tagen russischer Bombardements gibt es vorläufige Zahlen über tote IS-Kämpfer, Rebellen und Zivilisten. Aus dem Westen, von den UN und der syrischen Opposition kommen heftige Vorwürfe. Russland will seine Schläge aber intensivieren.

Russland will seine Luftangriffe in Syrien nach Angaben des Verteidigungsministeriums verstärken. Die Kampfjets würden strategisch wichtige Ziele von Terrorgruppen "noch intensiver" bombardieren, sagte Generaloberst Andrej Kartapolow der Agentur Interfax zufolge. In den vergangenen Tagen seien etwa 60 Angriffe auf rund 50 Stellungen geflogen worden. Rund 600 Kämpfer hätten die Terrormiliz Islamischer Staat "aus Furcht vor Angriffen" verlassen.

Ungeachtet der Kritik aus dem Westen griffen russische Kampfjets am vierten Tag der Offensive weitere Ziele in Syrien an. Russland will damit die Truppen von Präsident Baschar al-Assad entlasten. Die Angriffe fanden aber hauptsächlich in Gebieten statt, die gar nicht unter der Gewalt des IS sind.

Der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sind seit Beginn des russischen Einsatzes mindestens 39 Zivilisten ums Leben gekommen. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, waren unter ihnen acht Kinder. Darüber hinaus seien zwölf IS-Dschihadisten und zwei Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front umgekommen. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies Berichte über tote Zivilisten als feindliche Propaganda zurück. "Die ersten Informationen darüber waren schon aufgekommen, bevor unsere Kampfflieger in den Himmel gestiegen waren", sagte er. Alle Aktionen Moskaus in dem Bürgerkriegsland seien "absolut transparent".

Die Vereinten Nationen erklärten unterdessen, nicht wie geplant Verletzte aus dem Bürgerkriegsland bringen zu können. Der vom Iran und der Türkei unterstützte Plan liege wegen "verstärkter militärischer Aktivitäten" auf Eis. Zwar gab es keinen direkten Hinweis auf die jüngsten Luftangriffe Russlands. Ein Insider sagte jedoch, das russische Eingreifen gefährde die UN-Hilfen.

Cameron: Russland macht alles nur schlimmer

Großbritannien warf der Regierung in Moskau vor, nur einer von 20 Luftangriffen richte sich gegen den IS. Es gebe Hinweise darauf, dass vielmehr Zivilisten und Aufständische im Visier seien, sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon der Zeitung "Sun".

Premierminister David Cameron sagte, die russischen Luftangriffe verschlimmerten die Situation im Land und würden Präsident Baschar al-Assad helfen, an der Macht zu bleiben. "Es ist völlig klar, dass Russland nicht zwischen dem Islamischen Staat und rechtmäßigen syrischen Oppositionsgruppen unterscheidet. Damit unterstützen sie den Schlächter Assad, helfen ihm und machen die Sache nur noch schlimmer", sagte Cameron weiter.

"Sie (die Russen) sind zu Recht von der gesamten arabischen Welt für ihre Taten verurteilt worden", erklärte der Premier. "Aber wir sollten nun den Augenblick nutzen, um einen umfangreichen Plan für einen politischen Wandel in Syrien voranzutreiben. Denn nur so kann man Frieden in die Region bringen", sagte Cameron. Nach Meinung des Premierministers darf Assad an einer zukünftigen Regierung in Syrien nicht beteiligt sein.

"Die Amerikaner haben uns gesagt, in dieser Gegend sei niemand außer Terroristen", sagte dagegen der Armeevertreter der Agentur Interfax zufolge. Putin gehört zu den wichtigsten Verbündeten Assads. Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge wurden bei den Angriffen zuletzt ein Kommandoposten und ein unterirdischer Waffenbunker in der Nähe der IS-Hochburg Rakka getroffen. Russland betont, gegen den IS Präzisionsbomben einzusetzen.

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(Foto: Christoph Herwartz / n-tv.de)

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/rts

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