Rutte steht fest hinter TrumpNato-Chef verstört Europäer mit Aussagen zu Iran-Krieg

Mark Rutte wirbt im US-Fernsehen um Unterstützung für den Krieg gegen den Iran und stellt europäische Hilfe bei der Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht. Doch wen vertritt der Nato-Generalsekretär? Einige europäische Nato-Länder sind offenbar von dem forschen Auftreten irritiert.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte soll in mehreren europäischen Hauptstädten mit seiner uneingeschränkten Unterstützung für Donald Trumps Krieg gegen den Iran für Irritationen gesorgt haben. Wie die "Financial Times" berichtet, ist der jüngste Auslöser für die Verstimmung eine Andeutung Rüttes, wonach die europäischen Verbündeten letztendlich "zusammenkommen" würden, um dem Aufruf von US-Präsident Donald Trump zum Einsatz von Marinekräften in der Straße von Hormus nachzukommen.
"Das bringt uns in eine wirklich heikle und unangenehme Lage", sagte ein EU-Diplomat der Zeitung. "Wir wollen unsere Bereitschaft zeigen, aber es ist auch wahr, dass wir nicht in der Lage sind, uns in irgendeiner Weise [in den Krieg] einzumischen." Hinzu kommt, dass Europa mit einem durch den Iran-Krieg ausgelösten Energieschock zu kämpfen hat, während die USA deutlich weniger von den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind. Dem Bericht zufolge haben Ruttes Äußerungen die Spannungen innerhalb der Nato darüber verschärft, wie weit man bei der Rücksichtnahme auf ihr wichtigstes Mitglied gehen soll.
Das Unbehagen in vielen europäischen Hauptstädten über den Krieg, der Chaos im Nahen Osten angerichtet und die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben hat, stehe in scharfem Kontrast zu den Äußerungen von Rutte, der regelmäßig versuche, Trump zu beschwichtigen und zu loben, um die USA im Militärbündnis zu halten, hieß es.
"Er tut dies, um die ganze Welt sicherer zu machen", hatte Rutte am Sonntag in einem TV-Interview über Trumps Entscheidung gesagt, den Iran anzugreifen. "Es ist nur logisch, dass die europäischen Länder ein paar Wochen brauchen, um sich abzustimmen", fügte er hinzu - in Bezug auf die Forderung des US-Präsidenten an die Nato-Verbündeten, sich einer Flotte anzuschließen, um Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren, die der Iran blockiert hat.
Ein französischer Diplomat reagierte auf X empört über Ruttes Einlassungen und warf dem Niederländer eine Überschreitung seines Mandats vor. "Unser Ständiger Vertreter bei der Nato in Brüssel soll ihn zum Schweigen bringen", forderte Gérard Araud, ein früherer französischer Botschafter in den USA. Rutte hatte mit Blick auf die schlechten Umfragewerte für den Iran-Krieg in den USA noch gesagt, er hoffe trotzdem, dass die amerikanische Bevölkerung Trump beim Vorgehen gegen den Iran unterstütze.
Die EU-Staaten, von denen alle bis auf drei auch Nato-Mitglieder sind, hatten Trumps Aufruf letzte Woche geschlossen zurückgewiesen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte: "Das ist nicht unser Krieg", eine Einschätzung, die dem Bericht zufolge von Ministern aus Deutschland, Italien und Spanien geteilt wurde.
Drei europäische Diplomaten aus Nato-Mitgliedstaaten äußerten sich gegenüber der Zeitung besorgt über die Diskrepanz zwischen Ruttes Äußerungen und der Haltung der meisten europäischen Hauptstädte. Sie sähen zwar keinen Grund, Trump direkt zu kritisieren, seien aber auch nicht damit einverstanden, seine Entscheidung für einen Krieg zu unterstützen, sagten sie.