Politik

Verbindung zum Fall Lübcke? SEK-Team nimmt Verdächtige auf Fähre fest

Auf einer Wangerooge-Fähre nimmt ein SEK-Team am Samstag mehrere Menschen fest. Darunter soll der Verdächtige im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten Lübcke sein, den die Polizei am Sonntag bereits wieder freiließ. Genaueres zu dem Einsatz und den Festgenommenen will die Polizei derzeit nicht preisgeben.

Im Mordfall Walter Lübcke soll es Medienberichten zufolge am Samstag Festnahmen auf einer Nordseefähre gegeben haben. Wie die "Bild"-Zeitung  und der Hessische Rundfunk berichten, stoppten Spezialeinsatzkräfte der Polizei ein Schiff zur Nordseeinsel Wangerooge noch vor der Abfahrt im Hafen von Harlesiel in Niedersachsen. Drei Personen, zwei Männer und eine Frau seien festgenommen worden. Laut HR handelte es sich bei einem der Männer um den zunächst Verdächtigten, der am Sonntag schon wieder freigelassen worden ist. Die Polizei äußerte sich nur sehr zurückhaltend, lediglich ein Einsatz für ein anderes Bundesland als Niedersachsen wurde bestätigt.

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Zeugen berichten der "Bild"-Zeitung, dass am Samstagnachmittag alle Passagiere gebeten wurden, das Schiff wieder zu verlassen. Schwer bewaffnete SEK-Beamte hätten dann aus der Menge der überraschten Urlauber zwei Männer und eine Frau abgeführt. Die Männer seien sofort weggebracht worden, die Frau sei noch länger am Hafen festgehalten worden. Anschließend sei das Schiff durchsucht worden, bevor es drei Stunden verspätet ablegen durfte.

Wie der Hessische Rundfunk berichtete, sei dabei der Verdächtige festgenommen worden, über den schon zuvor berichtet worden war. Bei dem Einsatz am Samstag hätte es sich demnach also nicht um die Festnahme eines neuen Verdächtigen gehandelt, wie es in diesem Bericht zunächst geheißen hat. Inwiefern auch die anderen am Samstag festgenommen Personen für die Mordermittlungen eine Rolle spielen, ist noch unklar.

"Einsatz für ein anderes Bundesland"

Offiziell wollte die Polizei nur die einsatzbedingte Verspätung zweier Fährschiffe bestätigen. "Auf Grund eines Polizeieinsatzes auf zwei Fähren zur Insel Wangerooge (...) mussten die Fahrgäste ein verspätetes Ablegen in Kauf nehmen", hieß es in einer knappen Mitteilung. "Die polizeilichen Maßnahmen, bei denen Kräfte aus Niedersachsen eingesetzt waren, fand für ein anderes Bundesland statt", hieß es aus der für Wangerooge und Harlesiel zuständigen Polizeiinspektion Wilhelmshaven lediglich. Laut HR war dieses "andere Bundesland" Hessen.

Die genauen Hintergründe des Einsatzes wurden bislang nicht bekannt. Auch die Passagiere im Hafen wurden im Unklaren über das Ziel des Einsatzes gehalten. Ein Sprecher des LKA Niedersachsen widersprach Gerüchten, wonach es sich bei den Festgenommenen um die drei gesuchten RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette handelt.

Informationen der "Bild"-Zeitung und des HR zufolge besteht dagegen ein Zusammenhang mit dem Fall Lübcke. Das Blatt zitiert einen Sprecher der Mordkommission, der "aus ermittlungstaktischen Gründen" derzeit keine Angaben zu dem Einsatz in Harlesiel machen will. Der HR berief sich ebenfalls auf eigene Quellen, machte aber keine näheren Angaben dazu. Wie die in der Region erscheinende "Nordwest-Zeitung" berichtete, kreiste während des SEK-Einsatzes ein Polizeihubschrauber über Wangerooge. Insgesamt 30 Beamte waren demnach an der Festnahme beteiligt.

Trauerfeier noch diese Woche geplant

Am Samstag hatten die Ermittler einen Mann aus dem privaten Umfeld Lübckes in Gewahrsam genommen "und mit dem Ziel der Informationsgewinnung bis in die späten Abendstunden befragt", wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Weil seine Befragung keine Anhaltspunkte dafür ergab, dass er an der Tat beteiligt war, wurde er "in den frühen Morgenstunden" am Sonntag wieder entlassen. Laut HR handelte es sich dabei um den Mann, der auf der Nordseefähre festgenommen worden war.

Um den Mann "und die weiteren Ermittlungen zu schützen", würden keine weiteren Informationen bekannt gegeben, hieß es. Die Behörden riefen zudem zur Zurückhaltung auf. Spekulationen rund um die Tötung Lübckes schadeten den Ermittlungen, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Regierungspräsident Lübcke war vor einer Woche auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha tot aufgefunden worden. Reanimationsversuche blieben ohne Erfolg. Nach den Ergebnissen der Obduktion wurde er "aus nächster Nähe" mit einer "Kurzwaffe" erschossen.

Die Trauerfeier für Lübcke findet am 13. Juni in der Martinskirche in Kassel statt. Dabei sind mehrere Ehrenbekundungen geplant, der Sarg soll mit der hessischen Flagge bedeckt werden. Polizei und Bundeswehr halten eine Ehrenwache. Als Redner wird unter anderem Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier erwartet. Die Beerdigung im familiären Kreis wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Quelle: ntv.de, vpe/jog/AFP/dpa