Politik

Seeheimer für Finanzminister SPD-Rechte wollen Kanzlerkandidaten Scholz

51623754.jpg

Oppermann wirbt für Scholz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die SPD liegt in Umfragen deutlich unter 20 Prozent, träumt aber weiter von der Regierungsführung. In dem konservativen Flügel der Partei gibt es auch klare Vorstellungen davon, wer Kanzler werden könnte: Die sogenannten Seeheimer werben für Olaf Scholz. Die Parteichefs schweigen dazu - noch.

Politiker des rechten Flügels der SPD dringen auf die Nominierung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl im Herbst 2021. "Bei den Schwierigkeiten, die die CDU erkennbar bei der Suche nach einem Kandidaten hat, könnte ich mir vorstellen, dass es nützlich wäre, sich auf eine Kandidatur von Olaf Scholz festzulegen", sagte Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann dem Nachrichtenportal "The Pioneer".

Der richtige Kanzlerkandidat müsse "Regierungserfahrung und persönliche Integrität" mit einem "klaren Blick für die Zukunft" verbinden, sagte dem Portal SPD-Fraktionsvize Achim Post. "Für mich hat Olaf Scholz ohne jeden Zweifel diese Kanzlerkompetenzen", hob er hervor. "Die Kanzlerkompetenzen von Olaf Scholz stehen außer Frage", sagte auch der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Dennis Rohde.

Konflikt zwischen Seeheimer und Linke?

*Datenschutz

Alle genannten Politiker gehören dem Seeheimer Kreis an, in dem sich Bundestagsabgeordnete des rechten SPD-Flügels zusammengeschlossen haben. "Für mich, ohne einer Entscheidung der Parteivorsitzenden vorgreifen zu wollen, haben wir mit Olaf Scholz einen überzeugenden Kandidaten, der gemeinsam mit der Kanzlerin Deutschland besonnen und klug durch die Krise führt", sagte auch die Sprecherin des Seeheimer Kreises, Siemtje Möller, zu "The Pioneer".

Die der SPD-Linken zugerechneten Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wollen sich nach der Sommerpause zur Frage der SPD-Kanzlerkandidatur äußern. Kritiker einer Kandidatur von Scholz hatten in der Vergangenheit darauf hingewiesen, der Vizekanzler stehe zu sehr für die große Koalition mit der Union.

Angesichts der Umfragewerte der Sozialdemokraten, die in den meisten Befragungen bei etwa 15 Prozent und auf dem dritten Platz hinter CDU/CSU und Grünen liegen, war auch immer wieder die Frage gestellt worden, ob die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufstellen solle. Führende Vertreter der Partei hatten dies jedoch stets befürwortet.

Chance in Merkel-Abgang

"Die SPD muss den Anspruch haben, den Kanzler zu stellen, auch wenn wir aktuell in Umfragen nur bei 15 Prozent liegen. Wir dürfen uns da nicht selbst verzwergen", sagte auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dabei müsse der SPD-Kanzlerkandidat glaubhaft die Fähigkeit verkörpern, das Land zu lenken.

"Olaf Scholz wäre ohne Zweifel ein geeigneter Kandidat für das Kanzleramt. Er macht als Finanzminister einen richtig guten Job", lobte auch Bovenschulte den Vizekanzler. Weiter sagte er, im Wahlkampf liege "eine große Chance für die SPD" darin, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr antrete.

Quelle: ntv.de, shu/AFP