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"Unpassend und entwürdigend" SPD greift Schäuble nach Lawinen-Zitat an

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Der Lawinen-Vergleich von Wolfgang Schäuble kommt nicht besonders gut an.

(Foto: dpa)

Finanzminister Schäuble sucht nach einem Bild, um vor einer Eskalation in der Flüchtlingskrise zu warnen. Die Zuwanderer aber ausgerechnet mit einer Lawine zu vergleichen, stößt in SPD und bei der Linkspartei auf wenig Gegenliebe.

Die SPD kritisiert Finanzminister Wolfgang Schäuble scharf nach dessen Vergleich der Flüchtlingszuwanderung mit einer Lawine. "Der Vergleich ist völlig unpassend und den Flüchtlingen gegenüber entwürdigend", sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. "Es handelt sich um Menschen, die vor Hunger und Krieg flüchten. Sie haben es nicht verdient, mit einer Naturkatastrophe gleichgesetzt zu werden." Zumindest im Ton moderater äußerte sich Vize-Kanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Ich kann mir das Bild nicht zu eigen machen. Ich würde einen solchen Vergleich nicht wählen."

 

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Auslöser für deren Flucht sei Syriens Präsident Baschar al-Assad als "tyrannischer Machthaber", sagte Fahimi: "Das sollte Herr Schäuble im Rahmen seiner wohlfeilen Analyse nicht aus den Augen verlieren."

Auch Justizminister Heiko Maas kritisierte die Worte des CDU-Politikers: "Menschen in Not sind keine Naturkatastrophe", schrieb der SPD-Politiker bei Twitter. "Wir sollten die Flüchtlingsdebatte besonnen führen und nicht mit Worten Öl ins Feuer gießen." Gegenüber dem Magazin "Spiegel" erklärte Maas: "Niemand sollte Schwierigkeiten verschweigen oder schönreden, aber genauso sollte auch niemand mit seinen Worten Öl ins Feuer gießen." Solidarität und christliche Nächstenliebe stärke man nicht mit dramatischem Katastrophen-Vokabular. "Stattdessen müssen wir uns weiter an die Arbeit machen und das tun, was die Menschen zu Recht von uns erwarten." Nun solle zügig und konsequent umgesetzt werden, was gemeinsam beschlossen worden sei.

Ebenfalls weniger entzückt von Schäubles Worten zeigte sich Linken-Chef Bernd Riexinger: "Keine Lawine sondern ein Bumerang und ein Rendezvous mit ihrer rücksichtslosen Sch***Politik, Herr Schäuble", schrieb Riexinger bei Twitter.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl sagte zu der Aussage des Bundesfinanzministers. "Mit solchen Äußerungen werden Schutzbedürftige zu einer Bedrohung hochstilisiert", so der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl, Günter Burkhardt. "Das ist Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten."

Schäuble hatte am Mittwoch erklärt, man wisse noch nicht, welches Ausmaß die Flüchtlingskrise noch annehmen könne. "Ob wir schon in dem Stadium sind, wo die Lawine im Tal unten angekommen ist, oder ob wir in dem Stadium im oberen Ende des Hanges sind, weiß ich nicht", so der CDU-Politiker.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts/dpa/AFP

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