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Hightech-Waffe aus Russland Saudi-Arabien kauft russische S-400

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Vier Startbehälter mit je einer Rakete je Fahrzeug: Russische S-400-Träger bei einer Militärparade in Moskau.

REUTERS

Ein Waffengeschäft droht die strategische Machtbalance im Mittleren Osten zu verschieben: Das saudische Königshaus - der wichtigste US-Verbündete am Golf - stattet die eigenen Streitkräfte mit weit reichenden Lenkraketen aus Russland aus.

Auf der Luftfahrtmesse in Dubai verkündet die russische Delegation einen Deal von geopolitischer Bedeutung: Saudi-Arabien kauft nach Angaben aus Moskau Flugabwehrsysteme vom Typ S-400 aus Russland. Der Vertrag sei bereits im Mai abgeschlossen worden, sagte ein Sprecher der Behörde für militär-technische Zusammenarbeit (FSWTS) den Agenturen Tass und Interfax am Rande der Dubai Air Show.

Nach einem Treffen des saudischen Königs Salman bin Abdelasis al-Saud mit Kremlchef Wladimir Putin Anfang Oktober hatte die Zeitung "Kommersant" berichtet, es gehe um mindestens vier Einheiten der Waffensysteme "Triumph" (Nato-Code: SA-21 "Growler"). Die Kosten schätzte das Blatt auf zwei Milliarden US-Dollar. Eine S-400-Einheit besteht dabei in der Regel aus mehreren Batterien mit eigener Radaranlage, Steuereinheiten und mehreren mobilen Startbehältern.

Das Interesse Saudi-Arabiens an den Raketen löste in Fachkreisen Aufsehen aus. Der Schritt sei deshalb so bemerkenswert, heißt es, weil sich Riad militärisch bislang eng an den Bündnispartner USA hielt. Saudi-Arabien zählte in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Großkunden der US-Rüstungsindustrie. Durch die Lieferung von Abwehrraketen rückt Saudi-Arabien zumindest militärtechnisch näher an Moskau heran.

Mächtiges Luftabwehr-System

Das System S-400 kann sowohl gegen ballistische Raketen als auch gegen strategische Bomber, einzelne Kampfjets, Aufklärungsdrohnen oder hochfliegende Spionageflugzeuge eingesetzt werden. Die effektive Reichweite zur Abwehr von Flugzeugen und größeren Drohnen liegt je nach Version und Bauart bei bis zu 400 Kilometern. In der Spitze erreichen die Abwehrraketen nach dem Start eine Geschwindigkeit von Mach 15. Früheren Angaben zufolge kann eine Batterie S-400 die Bewegungen von bis zu 100 Zielen gleichzeitig verfolgen.

Saudi-Arabien sieht sich von Kriegen, Krisenherden und möglichen Konflikten umgeben. Jenseits der Grenze im Nordwesten tobt seit Jahren der Krieg in Syrien und dem Nordirak. Im Südwesten der arabischen Halbinsel stehen saudische Einheiten im Kampf gegen schiitische Huthi-Rebellen. Erst vor wenigen Tagen hatten Huthis eine ballistische Rakete in Richtung der saudischen Hauptstadt abgefeuert. Das Geschoss konnte von der saudischen Luftabwehr erst kurz vor dem Einschlag abgefangen werden. Hauptgegner bleibt jedoch - aus Sicht des sunnitisch geprägten saudischen Königshauses - die aufstrebende schiitische Regionalmacht Iran.

Rückschlag für US-Präsident Trump?

Die saudisch-russische Vereinbarung könnte über die Region hinaus Wellen schlagen. Beobachter gehen davon aus, dass der Einkauf russischer Abwehrraketen ein mögliches Exportgeschäft der USA beeinträchtigen könnte, auf das die US-Regierung offenkundig großen Wert legt.

Anfang Oktober hatte US-Präsident Donald Trump die Lieferung von Hightech-Luftabwehrraketen des System THAAD an Saudi-Arabien grundsätzlich genehmigt. Der Wert des Großauftrags liegt nach Angaben aus dem Pentagon bei 15 Milliarden Dollar. Eine Einigung steht noch aus. Das Pentagon hatte den geplanten Verkauf der THAAD-Raketen als wichtigen Beitrag für die außenpolitischen Interessen der USA und die langfristige Sicherheit in der Region bezeichnet. Unklar ist, ob das Geschäft jetzt noch zustande kommt.

Saudi-Arabien ist das vierte Land, das S-400-Raketen kauft. Neben China und zuletzt Indien hatte sich auch das Nato-Mitglied Türkei dazu entschlossen. Dies hatte in der westlichen Militärallianz erhebliche Kritik ausgelöst. Der russische Behördensprecher sagte nun in Dubai, die Lieferung an die Türkei werde für die Jahre 2019 und 2020 erwartet. Für die russische Rüstungsindustrie gilt das System S-400 "Triumph" mittlerweile als wichtiger Hoffnungsträger für künftige Exporte.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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