Politik

Erstmals kein Staatsgründer-Sohn Saudischer König wagt Generationswechsel

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Prinz Mohammed bin Naif ist 1959 geboren - und zählt damit zu den Jungspunden in der saudischen Politik.

(Foto: REUTERS)

Der künftige Regent von Saudi-Arabien heißt Mohammed bin Naif. Was wie eine banale Personalie klingt, ist eine Sensation. Seit Jahrzehnten wechseln die greisen Söhne des Staatsgründers auf dem Thron. Nun wagt die Monarchie den Generationswechsel.

Der saudische König Salman hat den bisherigen Kronprinzen Mukrin durch seinen Neffen Prinz Mohammed bin Naif ersetzt. Wie das saudi-arabische Staatsfernsehen am frühen Morgen berichtete, verlor Mukrin - jüngerer Halbbruder des Königs - auch den Posten als erster stellvertretender Ministerpräsident. Dies habe der Palast per Erlass mitgeteilt.

Es ist das erste Mal seit der Gründung Saudi-Arabiens, dass kein Sohn des Staatsgründers und ersten Königs Abd al-Aziz ibn Saud in die Thronfolge rückt. Mohammed bin Naif ist der Enkel des Gründers des saudischen Königreiches und mit 55 Jahren vergleichsweise jung. König Salman war nach dem Tod seines Halbbruders Abdullah im Januar im Alter von 80 Jahren König geworden. Mohammed bin Naif fungiert als Innenminister und gilt als enger Freund der USA.

"Dies ist ein politisches Erdbeben größten Ausmaßes", sagte Khalil Jahshan, Direktor des Arab Centre of Washington dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. "Das Saudi-Arabien, was wir vor ein paar Stunden kannten, gibt es nicht mehr." Auch der Korrespondent des Senders sprach von einem bedeutsamen Wechsel.

Saudi Arabien verfügt über keine schriftliche Verfassung und keine Thronfolgeregelung. Die Herrschaft der Familie al-Saud beruht darauf, dass Nachkommen des Staatsgründers alle wichtigen Funktionen in der Regierung, den Sicherheitskräften und der Wirtschaft besetzen und Macht und Einnahmen im Einvernehmen untereinander teilen.

Weitere Personalien gehen fast unter

Aus Angst, dass Gleichgewicht zwischen diesen mächtigen Familienzweigen zu zerstören, wagte in den vergangen Jahrzehnten kein König, die Herrschaft an seine Nachkommen zu vererben. Stattdessen wurde der Thron von einem Bruder oder Halbbruder zum nächsten weitergereicht mit dem ungeschriebenen Vereinbarung, dass kein Familienzweig die Macht dauerhaft für sich beansprucht. Angesichts des zunehmenden Alters der Söhne Abd al-Aziz' war absehbar, dass diese Gepflogenheit nicht mehr lange fortgeführt werden kann.

Zudem ernannte König Salman seinen Sohn Prinz Mohammed bin Salman zum stellvertretenden Kronprinzen. Außerdem wurde Außenminister Saud al-Faisal durch den bisherigen Botschafter des ölreichen Königreiches in Washington, Adil al-Dschubir, ersetzt.

Nach offiziellen Angaben hatte Mukrin um seine Ablösung gebeten, während al-Faisal seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen abgab. Das Volk wurde in einer offiziellen Mitteilung aufgefordert, dem neuen Kronprinzen und dem Stellvertreter die Treue zu schwören, hieß es nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/rts