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"Richtig scheiße gelaufen" Scholz rastet wegen EU-Impfstoff-Bestellung aus

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Olaf Scholz macht die EU für den Impfstoffmangel mit verantwortlich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Impfstoffbeschaffung der EU erhitzt seit Wochen die Gemüter. Vizekanzler Olaf Scholz ist nun offenbar der Kragen geplatzt: Einem Bericht zufolge soll er dabei Ursula von der Leyen scharf angegangen sein. SPD-Chefin Saskia Esken bestätigt den Vorfall, bei dem einiges an "Ärger zusammengekommen" sei.

Vizekanzler Olaf Scholz ist am Montagabend im Corona-Kabinett offenbar der Geduldsfaden gerissen. Medienberichten zufolge habe der SPD-Kanzlerkandidat die EU-Kommission und Ursula von der Leyen wegen der Corona-Impfstoffbeschaffung attackiert. Die Impfstoff-Bestellung sei "richtig scheiße gelaufen", soll Scholz in einem Wutausbruch gesagt haben. Bei der Impfkampagne in Deutschland habe er zudem keinen "Bock darauf, dass sich der Scheiß jetzt wiederholt". SPD-Chefin Saskia Esken sagte über den Ausraster bei "Guten Morgen Deutschland" auf RTL: "Tatsächlich muss man sagen: Olaf Scholz geht nicht oft auf die Art und Weise aus sich raus, da ist schon einiger Ärger zusammengekommen."

Scholz, der normalerweise eher beherrscht auftritt, ließ seinem Ärger demnach freien Lauf: "Was in Brüssel" mit der EU-Kommission und von der Leyen laufe, "sei die nächste Sauerei". Kanzlerin Angela Merkel soll den SPD-Politiker bei seinem Wutausbruch zunächst gewähren lassen haben, berichtet die "Bild"-Zeitung. Doch bei der direkten Attacke auf von der Leyen soll sie dann eingeschritten sein und die EU-Kommissionschefin verteidigt haben.

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Scholz ist nicht der Einzige, der von der Leyen kritisiert. Die EU-Kommissionschefin steht wegen der Corona-Impfstoffbeschaffung im Kreuzfeuer. Geheime Lieferverträge, schlechte Kommunikation und schließlich eine Panne, die den Frieden in Nordirland bedrohte, führten zu massiver Kritik an der EU. Ihr wird vorgeworfen, zu spät und zu wenig Impfstoff bestellt zu haben.

Im Sommer beschlossen die 27 EU-Länder gemeinsam, bei der Beschaffung von Impfstoffen keine nationalen Verträge auszuhandeln, sondern die gemeinsame Verhandlungsmacht zu nutzen. Produktion und Auslieferung liefen dann aber nur schleppend an. Bislang wurden in der EU deutlich weniger Menschen geimpft als etwa in Israel oder Großbritannien. Auch die massiven Verzögerungen im Lieferzeitplan des Herstellers Astrazeneca ließ die EU zuletzt schlecht dastehen.

Quelle: ntv.de, vmi