Politik

SPD-Kanzlerkandidat im Ruhrgebiet Schulz holt sich Applaus an der Basis ab

Gleich nach seiner Vorstellung als Kanzlerkandidat geht Martin Schulz íns Allerheiligste der SPD. In der Ruhrgebietsstadt Herne streichelt er die Seele der Genossen und bekommt sogar Lob von einem ehemaligen Bundesvorsitzenden der Partei.

Der lange Wahlkampf von Martin Schulz beginnt am Abend in einem kleinen Theater im Ruhrgebiet. Die Herner SPD hat den Kanzlerkandidaten zu einem Programmforum in den "Mondpalast" im Ortsteil Wanne-Eickel eingeladen. Für Schulz ist der Auftritt ein Heimspiel - nicht nur, weil seine Schwiegermutter in Wanne-Eickel geboren wurde, wie er verrät.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz geht am 01.02.2017 bei einem Programmforum der SPD Herne zur Bundestagswahl in Herne (Nordrhein-Westfalen) mit der Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering (l) durch die Menge. Es ist sein erster Auftritt als Kanzlerkandidat in NRW. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

In Herne lässt sich Schulz von den Genossen beklatschen.

(Foto: dpa)

Der designierte Parteivorsitzende schüttelt viele Hände, stellt sich für Selfies auf und überreicht Neu-Genossin Kerstin Röttchen ihr Parteibuch. Schulz kokettiert ein wenig mit seinem noch nicht offiziellen Status. "Ich bin ja noch in der Probezeit", sagt er mit Blick auf den Sonderparteitag am 19. März, auf dem er zum SPD-Vorsitzenden gewählt werden soll.

In seiner halbstündigen Rede bekommt Schulz den größten Applaus für seine Forderungen nach mehr Gerechtigkeit. "Wir müssen das individuelle Schicksal der Menschen in den Vordergrund stellen", sagt er. Wenn die Menschen das Gefühl hätten, die Politik habe sich von ihnen abgewendet, müsse man eingreifen.

"Durchaus authentisch"

Gekommen sind nicht nur Parteimitglieder. "Wir wollen Schulz persönlich kennenlernen", sagt Karl Keining aus Bottrop. Der gelte ja als neuer Hoffnungsträger. "Bis jetzt hat es ja nicht so gefruchtet bei der SPD", sagt Keining, der sich als SPD-Sympathisanten bezeichnet. Hans-Jörg Dost, aus Dresden und zu Besuch im Ruhrgebiet, lobt den Europapolitiker Schulz. In Brüssel habe sich Schulz gut eingesetzt. Mit dessen Auftritt in Herne ist Dost zufrieden. "Er wirkt durchaus authentisch. Jetzt muss er es nur noch umsetzen."

Einer, der den ehemaligen Bürgermeister von Würselen schon lange kennt, ist Franz Müntefering. "Schulz ist jetzt der richtige Kandidat. Sigmar Gabriel hat lange gezögert. Martin Schulz wird jetzt Bewegung in die Sache bringen", sagt Müntefering, der auch schon SPD-Vorsitzender war. Müntefering sitzt im "Mondpapalast" im Publikum. Seine Ehefrau Michelle hat ihren Wahlkreis in Herne.

Herne ist SPD-Hochburg. Bei der Bundestagswahl 2013 erhielten die Sozialdemokraten 44,2 Prozent der Zweitstimmen. Michelle Müntefering gewann mit 48,5 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Aber auch in der Stadt zwischen Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen sind die Zeiten, als die Sozialdemokraten im Revier noch Zweidrittel-Mehrheiten erreichten, seit vielen Jahren vorbei.

Quelle: n-tv.de, Wolfgang Dahlmann, dpa

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