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Zehntausende bei Frauenstreik Schweizerinnen fordern Gleichberechtigung

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Schweizer Frauen und Männer demonstrieren für mehr Gleichberechtigung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Frauen verdienen meist weniger als Männer und kümmern sich häufig unbezahlt um Familienangehörige. Dagegen protestieren in der Schweiz Zehntausende. Um genau 15.24 Uhr des Streiktags sollen Frauen Feierabend machen - denn diese Uhrzeit markiert eine Ungerechtigkeit.

Mit einem landesweiten Frauenstreik haben Zehntausende Schweizerinnen am Freitag für mehr Gleichberechtigung demonstriert. Sie forderten vor allem gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. In vielen Städten und Ortschaften hatten Gewerkschafterinnen, Unternehmerinnen und Politikerinnen Märsche und Kundgebungen organisiert. Allein in Bern beteiligten sich bis zum Mittag rund 10.000 Menschen an den Protesten.

Auf dem Berner Bundesplatz verschafften sich die Frauen um 11 Uhr mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trillerpfeifen und Rasseln Gehör. Gegen Mittag legten die Demonstranten den Verkehr rund um den Züricher Hauptbahnhof zwischenzeitlich lahm. In Luzern kam es zu einem Sitzstreik.

Wie das Schweizer Fernsehen berichtete, hatten bereits in der Nacht Frauen mit Pfannenkonzerten und Autocorsos den Streiktag eingeläutet. Am Morgen wurde dem Parlament eine Petition mit 11.000 Unterschriften für eine geringere Besteuerung von Tampons überreicht. Um 11 Uhr legten dann viele Frauen kurzzeitig die Arbeit nieder, auch die Sitzung des Nationalrats wurde unterbrochen.

Die Gewerkschaft hatte zudem dazu aufgerufen, um 15.24 Uhr in den Feierabend zu gehen - nach ihrer Rechnung arbeiten Schweizer Frauen nämlich ab dann, ohne dafür bezahlt zu werden. Frauen verdienen in der Schweiz im Durchschnitt 6491 Franken (etwa 5770 Euro) brutto im Monat - das sind 18,3 Prozent weniger als Männer, wie das Bundesamt für Statistik 2016 errechnet hat.

Auch Verhütung und Abtreibung ein Thema

Die Gewerkschaften forderten in einem Manifest neben Lohngleichheit eine Anerkennung und gerechte Verteilung von Haus- und Pflegearbeit. Eine weitere Forderung war eine generelle Verringerung der Arbeitszeit, damit bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilt werden kann. Abtreibungen und Empfängnisverhütung sollten nach Ansicht der Gewerkschaften kostenlos zugänglich sein.

Die Gleichberechtigung steht seit dem 14. Juni 1981 in der Schweizer Verfassung. Da es jedoch bei der Umsetzung haperte, wurde 1991 ein erster Frauenstreik organisiert. Damals gingen nach Angaben des Sozialarchivs Hunderttausende Frauen auf die Straßen.

Vor dem Aktionstag gab es in der Schweiz wochenlange Diskussionen über die Situation der Frau. Unternehmerinnen hatten sich beschwert, dass die Gewerkschaften den Tag für sich in Anspruch nehmen wollten. Die konservative Wochenzeitung "Weltwoche" argumentierte, Frauen gehe es bestens, schließlich brauchen sie nicht zum Militär. Eine Journalistin schrieb dort: "Statt frei will man heute Opfer sein". Die Verbraucherzeitschrift "Beobachter" kam demonstrativ einmal als "Beobachterin" heraus.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

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