Politik

Nach Tod von George Floyd Schwere Ausschreitungen in USA dauern an

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Unter anderem in New York brannten Autos.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Ausgangssperren und Appellen zum Trotz: In den USA halten die Unruhen nach dem Tod des Schwarzen George Floyd an. Autos brennen, Läden werden geplündert. Auch die eingesetzte Nationalgarde kann das nicht verhindern. Währenddessen droht Präsident Trump den vermeintlichen Übeltätern.

In den USA weiten sich die Proteste nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis aus. Viele Städte verhängten nach Ausschreitungen mit brennenden Polizeiautos und Barrikaden in der Nacht zum Sonntag Ausgangssperren. In Minneapolis ging die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Präsident Donald Trump kündigte an, die gewalttätigen Proteste "kalt" zu stoppen.

In zahlreichen US-Metropolen galten Ausgangssperren, darunter Atlanta, Philadelphia und Los Angeles. Dessen Bürgermeister Eric Garcetti teilte mit, die Maßnahme sei notwendig, um "den Frieden wiederherzustellen". Nach Angaben der Polizei kam es im Stadtzentrum zu "großen und gewalttätigen Protesten". Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Läden geplündert wurden. Die Polizei ging mit Gummimantelmunition und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor, die einen Streifenwagen in Brand gesetzt hatten. Auch in New York, Atlanta und vor dem Weißen Haus in Washington brannten Autos.

Dort verhinderten Sicherheitskräfte, dass sich Demonstranten erneut - wie am Vorabend - versammelten. Ein schwarzer Demonstrant trug ein Schild mit der Aufschrift: "Bin ich der Nächste?" Auf Fernsehbildern aus Washington war zu sehen, wie ein Gebäude im Stadtzentrum brannte. "Das ist ein Land im Chaos", sagte ein CNN-Moderator. In New York zogen Demonstranten vor den Trump Tower des Präsidenten.

10.000 Soldaten eingesetzt

Auch in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota setzten sich Demonstranten in der Nacht zum Sonntag erneut über die Ausgangssperre hinweg, die von 20 Uhr an galt. Der Sender CNN berichtet, Sicherheitskräfte hätten Demonstranten unter anderem mit Tränengas zurückgedrängt. Minnesotas Gouverneur Tim Walz hatte alle Bewohner eindringlich dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Alle großen Einfallsstraßen nach Minneapolis waren am Samstagabend geschlossen, Militärhubschrauber flogen über der Stadt.

Wegen der Proteste hatte Walz am Samstag erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg die gesamte Nationalgarde des Bundesstaates mobilisiert. Die Nationalgarde teilte mit, rund 2500 der insgesamt bis zu 10.000 mobilisierten Soldaten würden in der Nacht zum Sonntag eingesetzt, um in Minneapolis und Umgebung für Ordnung zu sorgen. Die anderen Soldaten stünden für die kommenden Tage bereit.

Vielerorts trug die Polizei allerdings zur weiteren Eskalation bei. Auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen, wie Polizeibeamte im Vorbeifahren Tränengas in eine wartende Menschenmenge sprühen. Eine andere Aufnahme aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn zeigt, wie ein Polizist im Fahren seine Tür öffnete und sie in einen Demonstranten knallte. Die Polizei in Louisville im Bundesstaat Kentucky entschuldigte sich für einen Beamten, der mit einem Gummigeschoss auf ein Reporterteam geschossen hatte. In Minneapolis hatte die Polizei einen Reporter des Senders CNN sogar während einer Liveübertragung festgenommen. In New York gestand Bürgermeister Bill de Blasio ein, dass auch auf Abgeordnete mit Tränengas geschossen wurde. "Das ist nicht akzeptabel", sagte de Blasio. Er kündigte eine Untersuchung an.

Trump: Das sind "Plünderer und Anarchisten"

US-Präsident machte linke "Plünderer und Anarchisten" für die Gewalt verantwortlich. Er werde nicht zulassen, "dass eine kleine Gruppe von Kriminellen und Vandalen unsere Städte zerstört und unsere Gemeinden in Schutt und Asche legt", sagte er. "Meine Regierung wird die Mob-Gewalt stoppen. Und wir werden sie kalt stoppen".

US-Justizminister Bill Barr sagte derweil in einer Fernsehansprache, "gewalttätige radikale Elemente" hätten die zunächst friedlichen Proteste nach Floyds Tod ausgenutzt. Es scheine so, dass die Gewalt vielerorts "von anarchistischen und linksextremistischen Gruppen geplant, organisiert und angetrieben" werde.

Floyd war am Montag bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Der Afroamerikaner hatte mehrfach um Hilfe gefleht, bevor er das Bewusstsein verlor. Ein Video des Vorfalls löste US-weit Entsetzen aus. Der Polizist wurde inzwischen festgenommen, ihm wird Totschlag und fahrlässige Tötung vorgeworfen. Gegen drei weitere an dem Einsatz beteiligte Polizisten wird ermittelt.

Quelle: ntv.de, ara/chr/AFP/dpa