Politik

Kommunalwahlen in Brasilien Schwere Schlappe für Bolsonaro-Lager

a854e40fd6be03d8b15efc0faefe945c.jpg

Hat nicht mehr den Status des Königsmachers: Jair Bolsonaro.

(Foto: REUTERS)

Unter den Brasilianern genießt Präsident Jair Bolsonaro zwar weiterhin großen Rückhalt, doch sein Umgang mit der Corona-Pandemie hat dem ultrarechten Lager geschadet. Bei den Kommunalwahlen schneiden Bolsonaros Kandidaten überraschend schlecht ab. Viele Bürger wählen wieder gemäßigter.

Traditionelle rechte und konservative Parteien haben bei den Kommunalwahlen in Brasilien am Sonntag in vielen Gemeinden die erste Wahlrunde für sich entschieden. Die Mehrheit der von dem ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro unterstützten Kandidaten musste laut Teilergebnissen dagegen Niederlagen einstecken. Es war die erste Wahl seit Bolsonaros Amtsantritt. In mehr als 5500 Gemeinden waren 148 Millionen Wähler zur Stimmabgabe aufgerufen.

In Brasiliens größter Stadt São Paulo landete Bolsonaros Kandidat weit abgeschlagen hinter dem amtierenden Mitte-Rechts-Bürgermeister Bruno Covas und dem linken Kandidaten Guilherme Boulos. Der Sozialdemokrat Covas wird in der Stichwahl am 29. November gegen Boulos von der Sozialistischen Partei antreten. Auch in vielen weiteren Gemeinden sind an diesem Tag Stichwahlen geplant.

In Rio lag der wegen Korruption angeklagte Olympia-Bürgermeister Eduardo Paes nach Auszählung aller Stimmen mit 37 zu 21,9 Prozent vor dem Amtsinhaber Marcelo Crivella, einem evangelikalen Pastor und Verbündeten des rechten Staatspräsidenten Jair Bolsonaro. Auch in den Städten Curitiba und Florianopolis erzielten Kandidaten der gemäßigten rechten Partei Die Demokraten gute Ergebnisse.

Zeiten als Königsmacher sind vorbei

"Der Präsident ist nicht mehr der Königsmacher wie 2018, als seine Unterstützung ausreichte, um sogar unbekannten Kandidaten einen Wahlsieg zu verschaffen", sagte der Politikwissenschaftler Mauricio Santoro von der Universität des Staates Rio de Janeiro. Anders als bei der Wahl "gegen das Establishment" vor zwei Jahren sei es diesmal eher um die Corona-Pandemie und die Wirtschaftskrise gegangen. Die Wähler hätten dabei wieder mehr zu erfahrenen und gemäßigten Politikern tendiert.

Bolsonaro ist mit Zustimmungswerten von mehr als 40 Prozent in jüngsten Umfragen nach wie vor beliebt. Zuletzt sah er sich jedoch scharfer Kritik ausgesetzt, auch wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie, die er wiederholt als "kleine Grippe" bezeichnet hatte. Brasilien hat mit mehr als 165.000 registrierten Corona-Toten die zweithöchste Todeszahl weltweit.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP