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Razzien in NRW und Berlin Sechs Islamisten in Polizeigewahrsam

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Eine Baustelle in der Kölner Innenstadt ist mit Sprengstoff-Spürhunden durchsucht worden. Einer von ihnen schlug an.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Köln, Düren und Berlin durchsuchen Ermittler mehrere Wohnungen. Sechs Männer stehen dabei im Fokus. Sie haben Verbindungen zum Islamischen Staat und planten womöglich einen Anschlag.

Die Kölner Polizei hat bei einer kurzfristig geplanten Razzia in Köln und Düren sechs Männer in Gewahrsam genommen. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Männer in einen Anschlagsplan verwickelt sein könnten", erklärte Polizeipräsident Uwe Jacob bei der Pressekonferenz zur Ermittlung.

In den frühen Morgenstunden stürmten Spezialkräfte eine Wohnung in Düren. Eine vorausgegangene Bewertung habe die Ermittler dazu veranlasst, aus "Gefahrenabwehrgründen" schnell einzugreifen. Dabei wurde ein Mann leicht am Kopf verletzt. "Wir warten nicht, bis wir Beweise haben, wir mussten jetzt angreifen", sagte Jacob.

Demnach ist die zentrale Person ein als Gefährder eingestufter Mann, der erst vor Kurzem von Berlin nach Düren gezogen war. Der 30-jährige Deutsch-Libanese, C., stehe seit sechs Jahren unter Beobachtung, habe viele Kontakte zum Islamischen Staat (IS) und hätte bereits mehrfach versucht, in bekannte IS-Gebiete auszureisen. Er sei Mitglied einer multinationalen Gruppe, die mit der Berliner Dschihadisten-Szene verbunden sei. 2016 habe er die Rolle eines Vertretungsimams übernommen - in derselben Moschee, zu der auch der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, Verbindungen hatte. C. habe gesagt, er wolle den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens erreichen. Das könne bedeuten, er plane ein Selbstmordattentat, sagte der Polizeipräsident.

Zuvor lebte der Islamist in Berlin, mit Frau und Kindern. Die Polizei Köln bestätigte, dass auch die Berliner Wohnung des Mannes am heutigen Donnerstag durchsucht worden ist. Über Fundstücke machten die Ermittler noch keine Angaben.

Aufgrund seines ungewöhnlichen, plötzlichen Umzugs nach Nordrhein-Westfalen sei der Mann in den Fokus der Ermittler gerückt. C. zog in Düren zu einem ebenfalls polizeibekannten Gefährder, R.. Er machte sich mit einer Trockenbaufirma selbstständig, für die auch der 21-jährige Mitbewohner R. aus Düren arbeitete. R. sei ein deutscher Konvertit, der seit einem Jahr als Gefährder gilt und ebenfalls mit der islamistischen Szene eng verbunden sei. Er habe eine hohe Gewaltbereitschaft gezeigt und erst im vergangenen Jahr dem Islamischen Staat (IS) den Treue-Eid geschworen.

Messer und Baseball-Schläger gefunden

Sieben Wohnungen, sowohl privat als auch beruflich genutzt, wurden durchsucht. Dabei wurden etwa 20 Handys, etliche externe Festplatten, ein Laptop, ein Router, mehrere Baseball-Schläger sowie Messer sichergestellt. "Bei so vielen Mobilfunkgeräten ist davon auszugehen, dass etwas verschleiert werden sollte", erklärte Klaus-Stephan Becker von der Polizei Köln.

Neben C. und R. sind zwei weitere Männer, 20 und 21 Jahre alt, in Polizeigewahrsam genommen worden. Beide seien radikalisierte Konvertiten, die starke Bezüge in die Szene hätten. "Einer von beiden hatte Chemie studieren wollen - auf Anraten des IS", so Jacob. 

Ins Visier rückte im Verlauf der Ermittlungen eine Baustelle in der Kölner Innenstadt. Dort habe C. mit seiner Firma gearbeitet. Mitarbeiter, teilweise auch von anderen Firmen, die dort ebenfalls beschäftigt waren, seien vernommen worden. Sie hätten den Hinweis gegeben, dass C. und sein Mitbewohner R. an einer Stelle auffällig oft gearbeitet hätten. Die Beamten setzten Sprengstoff-Spürhunde ein und durchsuchten den Bereich. Einer von ihnen schlug an. 

Sprengstoffkommando untersucht Baustelle

"Noch ist die Untersuchung an dieser Stelle nicht abgeschlossen. Ein Sprengstoffkommando befasst sich damit. Sobald eine Gefahr ausgeschlossen ist, werden die Straßensperren aufgehoben", erklärte ein Sprecher der Kölner Polizei. Eine Sprengstoffeinheit des Landeskriminalamtes durchsuche den Bau-Komplex.

Zwei Mitarbeiter, die ebenfalls mit C. gearbeitet hatten und Verbindungen zum IS hätten, seien auf der Baustelle in Gewahrsam genommen worden. Zudem ist in einem Versteck eine noch nicht identifizierte Flasche mit unbekanntem Inhalt gefunden worden, die nun genauer untersucht wird. Im nächsten Schritt werden die Beamten die gefundenen Datenträger auswerten und weiteren Hinweisen nachgehen.

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Quelle: n-tv.de, joh

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