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Noch keine Hinweise auf Netzwerk Seehofer: Lübcke-Mord ein "Alarmsignal"

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Bundesinnenminister Seehofer beklagt im Fall Lübcke eine "Verrohung unserer Gesellschaft".

(Foto: dpa)

Bundesinnenminister Seehofer zeigt sich tief schockiert vom Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten - und den Reaktionen darauf im Netz. Er beklagt eine "Verrohung unserer Gesellschaft". Unklar bleibt unterdessen, ob der mutmaßliche Täter allein handelte.

Auf die wohl drängendste Frage im Mordfall um den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke kann Bundesinnenminister Horst Seehofer bisher keine Antwort geben: "Ob der Täter einzeln handelte oder Teil eines Netzwerks war, ist derzeit noch nicht klar", sagte der CSU-Politiker auf einer Pressekonferenz zu den Ermittlungen. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass es sich bei dem Täter um einen Rechtsextremen handelt und die Tat einen rechtsextremistischen Hintergrund hat."

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er steht in dem dringenden Verdacht, Anfang Juni den CDU-Politiker Lübcke durch einen Kopfschuss getötet zu haben. Die Bundesanwaltschaft übernahm am Montag die Ermittlungen und stufte die Tat als "politisches Attentat" ein. Die Behörde erklärte, sie gehe von einem Täter aus dem rechtsextremistischen Milieu aus.

Der Tatverdächtige sei in den vergangenen Jahren allerdings nicht mehr als Rechtsextremist in Erscheinung getreten, sagte Seehofer. Der letzte entsprechende Eintrag stamme aus dem Jahr 2009. Seine "rechtsextremistische Karriere" habe der Mann vor allem in den 1980er und 1990er Jahren begonnen, erläuterte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang. Seit dieser Zeit sei er auch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Zuletzt sei er aber "eher in der Hintergrund der Beobachtung getreten".

Dennoch: Als Tatmotiv werde weiter nichts ausgeschlossen, betonte Seehofer. Daher gingen die Ermittlungen in alle Richtungen weiter. BKA-Präsident Holger Münch erklärte zudem, auch die Tatwaffe sei bislang noch nicht gefunden worden. Der Verdächtige sei Mitglied in einem Schützenverein, habe aber keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, sagte Münch. Er betonte, dass nun im Fokus der Ermittler stehe, den Tathergang, das Tatumfeld und das Umfeld des Täters zu rekonstruieren.

"Abscheulich und widerwärtig"

Seehofer zeigt sich "tief schockiert" von der Tat: "Ein rechtsextremistischer Anschlag gegen einen führenden Repräsentanten unseres Staates ist ein Alarmsignal und richtet sich gegen uns alle." Entsetzt zeigte er sich auch über Reaktionen auf den Mord im Internet. "Dass es in sozialen Netzwerken Häme für das Opfer und Beifall für den Täter gab, ist abscheulich und widerwärtig", sagte Seehofer. Es sei ein Beleg für die Verrohung der Gesellschaft und den Verfall der guten Sitten.

Der Innenminister betonte, dass Rechtsextremismus "mit allen Mitteln bekämpft" werden müsse, da er eine "Gefahr für unsere freie Gesellschaft" bedeute. Seehofer betonte, dass die Bekämpfung von Extremismus ein Kernanliegen der Bundesregierung sei.

Quelle: n-tv.de, kst

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