Politik

Auch Boxer Klitschko empörtSelenskyj: Olympia-Ausschluss Heraskewytschs nützt Moskau

12.02.2026, 16:39 Uhr
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Wladislaw Heraskewytsch erregte durch das Tragen eines Helmes mit Fotos von im Krieg getöteten ukrainischen Athleten weltweites Aufsehen. (Foto: picture alliance/dpa)

Bei den Olympischen Winterspielen weigert sich der Skeletoni Heraskewytsch, auf seinen speziellen Erinnerungshelm zu verzichten. Daraufhin disqualifiziert das IOC den Ukrainer. Präsident Selenskyj und der frühere Boxweltmeister Klitschko stellen sich nun hinter den Sportler.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Ausschluss des Athleten Wladislaw Heraskewytsch von den Olympischen Winterspielen wegen eines Gedenkhelms mit Fotos von im Krieg getöteten Sportlern scharf kritisiert. "Die olympische Bewegung sollte dabei helfen, Kriege zu beenden, und nicht Aggressoren in die Hände spielen", erklärte Selenskyj in Onlinenetzwerken. "Wir sind stolz auf Heraskewytsch und das, was er getan hat", betonte der ukrainische Staatschef. "Mut zu haben, ist mehr Wert als jede Medaille", fügte er hinzu.

Auch der frühere ukrainische Boxweltmeister Wladimir Klitschko verurteilte die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Heraskewytsch auszuschließen. "Dabeisein ist alles. Für russische und belarussische Athleten, aber für die getöteten ukrainischen Sportler ist nicht einmal Gedenken erlaubt", monierte der 49-Jährige in der "Bild"-Zeitung.

Bei den Gedanken an sein Olympia-Gold von 1996 im Superschwergewicht in Atlanta verspüre Klitschko daher derzeit eher "keinen Stolz mehr, sondern Scham". "Das IOC schützt keine Neutralität, es schützt sein Image", betonte er. "Die Gesichter der ukrainischen Athleten, die ihr Leben für die Freiheit gegeben haben, sind 'zu politisch' für Ihre perfekte TV-Show. Der olympische Idealismus geht im kalten Kalkül des globalen Sportbusiness verloren."

Heraskewytsch hatte einen Helm mit Porträts von ukrainischen Sportlern getragen, die seit dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine getötet wurden. Das Internationale Olympische Komitee disqualifizierte den Skeleton-Fahrer daraufhin wegen seiner "Weigerung, sich an die Richtlinien des IOC zur Meinungsäußerung von Athleten zu halten", von den derzeitigen Spielen in Norditalien.

Heraskewytsch hatte den Gedenkhelm während eines Trainings in Cortina d'Ampezzo getragen und wollte ihn auch bei den Wettkämpfen nutzen, um an den seit bald vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen sein Land zu erinnern. IOC-Sprecher Mark Adams erklärte am Dienstag, dass der Helm gegen die Richtlinien zu "politischen Symbolen" bei den Olympischen Spielen verstoße. Zugleich wolle das IOC eine Ausnahme machen und Heraskewytsch erlauben, eine schwarze Armbinde zu tragen.

Der Sportler hielt jedoch an seiner Absicht fest, den Gedenkhelm im Wettkampf zu tragen. Das IOC gab daraufhin am Morgen die Disqualifizierung des Sportlers bekannt. Bei Olympia sind politische Gesten an Wettkampfstätten oder auf dem Medaillenpodest verboten. Sportler dürfen jedoch ihre politische Meinung in Pressekonferenzen und in Onlinediensten äußern.

Quelle: ntv.de, lar/AFP/dpa

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